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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
386 (sequence 1)
Language
German
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386 Arjeh Tartakower: ARJEH TARTAKOWER / ZUR GESCHICHTE DES JÜDISCHEN SOZIALISMUS IV. Die innere Entwicklung bis zum Ausbruch des Weltkrieges. B. Das Verhältnis der Parteien zueinander und zu den anderen sozialistischen Parteien. Die Internationale. Zu derselben Zeit, wo sich der Loslösungsprozeß der gewerkschaftlichen und der anarchistischen Bewegung von der jüdischen sozialistischen Bewegung vollzog, trat im inneren Lehen der jüdischen sozialistischen Parteien eine andere Tendenz zutage, die im Leben einer jeden von ihnen eine bedeutende Rolle spielen sollte. Es war dies die Tendenz zur Zusammenfassung der Kräfte aller sozialistischen Parteien für die politische, in Rußland auch für die revolutionäre Tätigkeit. Die jüdische sozialistische Bewegung als solche entstand neben der allgemeinen sozialistischen Bewegung des Wirtsvolkes oder der Wirtsvölker, und zwar, mit der einzigen Ausnahme von Rußland, wo die Entstehung des „Bund" zeitlich der Gründung der russischen sozialistischen Partei voranging, zu einer Zeit, wo diese schon da war und in der Gesellschaft eine mehr oder minder bedeutende Rolle spielte. Das Nächstliegende war, an eine Koordinierung der Kräfte der beiden Bewegungen zu denken. Denn obwohl die jüdische sozialistische Bewegung als ein Ergebnis der Sonderlage und der Sonderbedürfnisse des jüdischen Proletariats entstand und fast immer außer den allgemeinen sozialistischen Zielen noch spezifische, durch die Eigenart des jüdischen Lebens gegebene verfolgte, so war es doch augenscheinlich, daß beide Bewegungen viele gemeinsame Ziele verfolgen und daß zur Erreichung dieser, ein für allemal gegebenen oder sich doch sicherlich ergebenden Ziele an eine Zusammenfassung der Kräfte gedacht werden müsse. Galt dies zweifellos für das Verhältnis der jüdischen sozialistischen Bewegung in einem bestimmten Lande zur sozialistischen Bewegung des Wirtsvolkes, um wieviel mehr mußte es im gegenseitigen Verhältnis der verschiedenen jüdischen sozialistischen Parteien gelten, die untereinander doch viel mehr, sich gerade aus der Eigenart des jüdischen Lebens ergebende, Berührungspunkte hatten. Mit der einzigen Ausnahme der amerikanischen Bewegung der ,, Jiddisch sprechenden Sozialisten*4, die bis tief ins zwanzigste Jahrhundert hinein ihre assimilatorische Färbung behielt, fügten alle anderen jüdischen sozialistischen Parteien entweder von vornherein oder doch nach Ablauf einer gewissen Zeit auch nationale Postulate ihrem Programm bei. Was sie voneinander schied, war wohl in der Hauptsache die mehr oder minder starke Betonung des nationalen Momentes einerseits, anderseits die Wege, die ihrer Meinung nach zur Verwirklichung der nationalen Ziele führten. Diese Unterschiede mochten zwar groß genug sein, um die Gründung von besonderen Parteien und zum Teil auch deren fortbestehende Sonderexistenz zu rechtfertigen; wenngleich diesbezüglich, wie wir sehen werden,

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