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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Die jüdische Martyriologie
Date
1924-01-01
Page
361 (sequence 3)
Language
German
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Umschau: Bibelwissenschaft Tatsachen hinzunehmen. Gerade die Lektüre des Bernfeldschen Buches bringt einem dies . ganz besonders deutlich zum Bewußtsein. Josef Meisl BIBELWISSENSCHAFT Kritische Übersicht über die neuere Literatur Gustav Hölscher: Geschichte der israelitischen und jüdischen Religion1) Das Werk ist in der „Sammlung Töpelmann" als Bd. 7 der ersten Gruppe: „DieTheologie im Abriß" erschienen, die für Studenten (der protestantischen Theologie) und zwar zunächst für solche bestimmt ist, die der Krieg aus ihren Studien herausgerissen hat, aber auch dem Bedürfnis vieler Älterer entgegenkommen soll, „die ohne großen Zeitverlust und hohe Geldausgaben wieder aufs Laufende * kommen möchten". Erkennt man diesen pädagogischen Zweck überhaupt als erstrebenswert an, dann erfüllt ihn das vorliegende Stück der Sammlung in vorzüglicher Weise, und auch die Hoffnung des Herrn Verfassers, daß er auchiandern, namentlich den Fachgenossen, etwas zu bieten habe, ist durchaus gerechtfertigt. Mit voller Beherrschung des Gegenstandes und großem Geschick entworfen und ausgeführt, ist das Buch die knappste, übersichtlichste und lesbarste Darstellung vom Standpunkt fortgeschrittener moderner Theorien und Konstruktionen, die teilweise selbständig fortgeführt oder modifiziert werden, wobei die jüngsten Data (z. B. S. 130 die altassyrischen und hettitischen Gesetze) bereits berück- . sichtigt sind. Eine zu begrüßende Einrichtung ist es, daß dem in sechs Kapiteln (die vorgeschichtliche Entwicklung — die altisraelitische Zeit — das assyrisch-babylonische Zeitalter — das persische Zeitalter — das hellenistische Zeitalter — das römische Zeitalter) und 103 Paragraphen eingeteilten Text die Quellen, Zitate und Literatur angebenden, knappen aber in der Sache meist erschöpfenden, jedenfalls ausreichend orientierenden Anmerkungen jedem einzelnen Paragraphen nach gesetzt sind. Die erste Ausstellung, die wir zu machen haben, ist die ungleichmäßige Behandlung der verschie- 1) XVI u. 267 S. Gießen, Alfred Töpelmann, 1922, Preis 5.40, geb. 8,50. denen Perioden. Das erste Kapitel, dessen Notwendigkeit überhaupt in Zweifel gezogen werden kann, reicht bis S. 52, das zweite bis S. 88, und die dritte Periode mit den großen Propheten, in denen man die Blütezeit der israelitischen Religion zu sehen pflegt, wird auf nur 26 Seiten abgehandelt; um so ausgiebiger sind dann wieder die persische, hellenistische und römische Zeit bis nach dem hadriänischen Kriege bedacht. Dies hängt aber mit den religionsgeschichtlichen und literarkritischen Ansichten des Verfassers zusammen. Einen großen Teil der biblischen Literatur versetzt er erst in das persische oder gar hellenistische Zeitalter, in mehreren Punkten noch weiter gehend, als dies heute üblich ist. Von den Quellen des Pentateuch wird zwar J bereits auf ca. 900 angesetzt, aber E erstreckt sich bis zur Zerstörung Jerusalems, eventuell bis 561 (S. 102); „die Anfänge der Gesetzesaufzeichnung" bilden erst § 57 im vierten Kapitel,, das Deuteronomium ist etwa um 500 verfaßt (S. 132), nachexilisch ist die deuteronomistische Bearbeitung des „jhwhstischen" Werkes und natürlich das Heiligkeitsgesetz und P. Im vierten Jahrhundert wurden diese Werke zusammengearbeitet, ebenso die Bücher Richter, Samuel, Könige. Auch die Prophetenbücher Jesaja, Jeremia, Ezechiel und die Zwölf Kleinen Propheten haben ihre abschließende Gestalt im wesentlichen in der Perserzeit, aber allerspätestens (dies gegen moderne, noch tiefer hinabgehende Ansetzungen) im Anfang des 3. Jahrhunderts erhalten (S. 158). Iranisch-babylonischen Religionsideen mißt der Verfasser einen weit stärkeren Einfluß als dem Griechentum bei. „In Palästina und im ferneren Osten ist der griechische Einfluß auf das Judentum verschwindend gering gewesen. Religion und Literatur der Jucjeh bleiben hier von allem Griechischen fast ganz unberührt." Die Blütezeit des jüdischen Hellenismus ist erst das augustäische Zeitalter. Das mag gelten, aber den Einfluß des Griechischen auch auf das palästinische Judentum als formgebenden, die allgemeine geistige Atmosphäre mitbestimmenden Elementes möchten wir doch früher ansetzen und stärker betonen. So ist er, wenn nicht in den kanonischen Büchern, schon im Sirach zu spüren. Für die Ausdehnung der letzten beiden Kapitel spricht wohl auch der Umstand mit, daß die Quellen reicher fließen. Jedenfalls enthalten diese Abschnitte, in denen der

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