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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 352

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Neue Wege der Kunst
Date
1924-01-01
Page
352 (sequence 2)
Language
German
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352 Bemerkungen: Neue Wege der Kunst der Kultur anzusehen — möchten auch für unsre Kinder nicht darauf verzichten. So wird es für uns von hoher Bedeutung, wenn Künstler von draußen kommen., und eine Weile unter uns leben und eine Brücke schlagen zwischen unserem Lande und Leben und zwischen der Welt, aus der sie stammen und in die sie zurückkehren. Und von nicht minder hohem Werte wird es für uns, wenn Kinder unseres Landes hinausgehen und sich an den großen Lehrern des Auslandes bilden. Da aber entsteht die Frage, wohin sich unsere neue Generation zu wenden hat, ob zu den Quellen, aus denen immer neue europäische Geschlechter ihre Weltanschauung und deren künstlerischen Ausdruck sogen, oder etwa zum Orient, aus dem wir stammen und zu dessen Oberfläche wir zurückgekehrt, in dessen Tiefen wir aber noch nicht verwurzelt sind. Bisher ging die Richtung unserer Jungen, die nach Kunst suchten, immer nach Westen und zwar nach dem allerwestlichsten Westen, nach Paris. Von dort brachten sie die Betrachtung des Orients als eines schönen Dekorationsstückes mit, dessen brennende Farben und grelle Gegensätze von Licht und Schatten, dessen von keiner Kultur beschwerte Gestalten eine ganze Welt von leicht erreichbaren und leicht einleuchtenden Effekten bot. Die selber nie im Ausland gewesen waren, ließen sich durch Suggestion zu dieser Auffassung des Orients bewegen, die wohl einem realistisch-sinnlichen Franzosentum entsprach, aber unmöglich der einzige Ausdruck jüdischen Geistes und besonders des Geistes einer jüdischen Pioniergeneration sein konnte. So geschah es, daß wir bisher nicht ein einziges Bildwerk zu sehen bekamen, das wir als Ausdruck unseres Landes und Lebens hätten bezeichnen mögen. Alles, was wir sahen, brachte uns mit einem Schlage in die Welt zurück, die wir verlassen hatten, weil wir uns darin als Fremde fühlten. Nun ist einer gekommen, der einen neuen Ton anschlägt — einen Ton, der uns ganz anders berührt als alles, was wir bisher vernahmen. In den zwei Zimmern des Davidsturmes, die trotz mangelhaften Lichtes eigentümlich stimmungsvolle Ausstellungsräume bilden, hat der Maler Rubin das Ergebnis seines dreijährigen Schaffens im Lande ausgestellt. Ein paar Minuten, nachdem man zwischen seinen Bildern herumgewandert ist, steht man unter dem Bann einer leidenschaftlich ringenden Künstlernatur. Da ist nichts von den billigen Effekten brennender Kontrastfarben grellen Lichtes und schwarzen Schattens, nichts von der Karl May-Romantik, die vieles, was bisher hier entstand, so hoffnungslos kitschig machten. Da ist — eindringlichstes Merkmal— ein Meer von Licht, ausgegossen über Wellen, Land, Steine, Menschen und sie so durchflutend, daß es auch ihre Farbenglut überflutet. So gewaltig ist dieser Sonnenschein, daß er die Stimme blendet und die Dinge, die eben noch ganz konkret dastanden, in einem übersinnlichen Schein zerschmelzen läßt. So geht es einem mit einer Strandstraße, mit einem Stückchen Meer, einer halben Häuserfront und einem arabischen Eseltreiber, der — ohne daß sich ein Zipfel seines Gewandes rührt — doch wie vom Seewind zur Seite geweht und gegen irgendeine unbekannte Gewalt zu kämpfen scheint. So mit einigen Jerusalemer Straßen, die, naturalistisch bis auf die blauen Bemalungen der Türen, im hellen Tageslicht dastehen und dabei doch eine gespenstische Anziehung und Abstoßung ausüben. So mit dem Blick von einer Veranda auf ein Stückchen Sand mit einigen in diesen Sand gestecktenHäusern — auf den erstenBlick nur eine sehr wahrhaftige Impression einer hastig aufgebauten Strandstadt, auf einen zweiten Blick eine kecke Expression der Gewagtheit, Zufälligkeit, Hinfälligkeit des auf Sand gebauten Tel Awiw. Das ist das Eigenartigste an Rubin: nicht nur Hitze, Staub, Wind hauchen aus seinen Körpern, sondern die Glut in ihnen legt sich allmählich auch blendend um ihres

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