Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Vom Tod der Gerechten
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 347 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Tod der Gerechten 347 sam wie immer heim und vollzog die Sabbathweihe inmitten der Chassidim. Uach der Weihe sprach er zu ihnen: „In der Stunde des Sabbathempfangs kam der Baalschemtow aus der obern Welt zu mir und sagte: ,Ein Verhängnis schwebt über den Kindern Israel. Ich habe erwirkt, daß zehn Zaddikim hinweggenommen werden und ihr Tod das Verhängnis wende. Neun sind schon gegangen, willst du der zehnte sein?4 Ich habe zugestimmt." Nach diesen Worten legte sich Rabbi Ahron auf sein Bett, schloß die Augen und war entschlafen. Der Tisch Am Neumondstag seines Sterbemonats redete der Apter an seinem Tisch vom Tod der Gerechten. Nach dem Tischgebet stand er auf und begann glühenden Angesichts in der Stube auf und nieder zu gehen. Dann hielt er vor dem Tisch inne und sprach: „Du reiner Tisch wirst für mich zeugen, daß ich rechtschaffen an dir gegessen und rechtschaffen an dir gelehrt habe/' Später befahl er, man solle aus dem Tisch seinen Sarg machen. Keine Trennung mehr In einer schweren Krankheit, als er sich dem Tode nah wähnte, sagte Rabbi Rafael: „Nun heißt es jegliche Tugend von sich tun, daß kein Unterschied und keine Trennung mehr zwischen mir und allen Menschen sei/' Los Oftmals in seinem letzten Jahr hob Rabbi Eisik die Hände gegen das Fenster, das auf die Straße ging, und sprach zu sich: „Guckst sie dir an, die grobe Welt!" Am Morgen des Tages, an dessen Abend erstarb, zog er wie immerTallith und Th/fiiiin an. Nachdem er den Segen gesagt hatte: „Gepriesen, der dem Hahn Einsicht gab", hieß er sich Tallith und Th'fiiiin abnehmen und sprach: „Heut bin ich die Th'f iiiin und alle Gebote los und werde die Welt los/' Ein Jude Vor dem Sterben sprach Rabbi Sch'lomo Chajim zu seinen Söhnen: „Kinder, ihr sollt nicht meinen, euer Vater sei ein Zaddik, ein ,Rebbe', ein ,guter Jud' gewesen, — aber auch ein Fälscher war ich nicht: — ich habe ein Jude sein wollen." Dein Rabbi Meir von Dzikow starb in Karlsbad. Er saß in seinem Stuhl und rauchte die Pfeife. Mit einemmal nahm er sie aus dem Mund und sprach den Vers: „Die Seele ist dei$, dein Werk der Leib, erbarme dich, Gott, deiner Arbeit!" Und schon tat er den letzten Atemzug.