Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 8 (November 1916)
- Article
- Die örtliche Verteilung der Juden und ihre Wanderungen in der Neuzeit
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 568 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Daten und Materialien durch Zuzug vom Lande; sie betrug im Jahre 1901 168677 und ist bis 1910 auf 308488 gestiegen. Warschau ist damit die judenreichste Stadt in Europa (neben Budapest und Odessa mit etwa 200000, Wien mit 175 318, Berlin Erklärung Herr J. Kaufmann-Bern in seinem Aufsatze über die hebräische Sprache und die nationale Zukunft der Juden S. 418 dieser Zeitschrift behauptet, gleich anderen, Juden wie Nichtjuden, ,,denen der Geist unseres Volkes fremd ist", hege auch ich die Absicht, die Hoffnungen der Zionisten (bzw. Nationaljuden) darauf, daß das Hebräische wieder eine Kultursprache werden werde, zu zerstören und zwar zu zerstören durch die Behauptung, „das Hebräische sei für das Volk ,nur* die heilige Sprache". Demgegenüber erkläre ich: 1. Die erwähnte Absicht wird mir ohne irgendeinen Beweis untergeschoben. — 2. Das sogar in Anführungszeichen gesetzte Wörtchen „nur" habe ich nicht gebraucht. Vielmehr habe ich in dem kleinen Aufsatze über die „Jüdische Sprache" (Vossische Zeitung, 14. Mai 1916, Sonntagsblatt) wörtlich gesagt: „Das Hebräische ist für die Juden die ,heilige Sprache*, wie das Lateinische für die Angehörigen der römischen Kirche; es ist zugleich eine in der Gegenwart in einer etwas wunderlichen Weiterbildung wiederauflebende Sprache, namentlich für Palästina. Das Jüdische aber ist die Muttersprache (mame loschen), die Volkssprache von 6 Millionen Menschen und wird von einer noch größeren Anzahl verstanden." Der Sinn von „heilige Sprache" ist an sich und durch den Zusammenhang klar: Sprache des Alten Testaments, Sprache großer Teile mit 151356, London mit etwa 150000 Juden) und wird nur in Amerika durch Neuyork übertroffen, das mit seinen 1400000 Juden den zehnten Teil der Juden überhaupt beherbergt. Arthur Ruppin des Talmuds und der Midrasche, Sprache der Gebete und der synagogalen Poesie usw. — Ich habe ausdrücklich hinzugefügt, daß das Hebräische als gesprochene Sprache jetzt „wieder auflebe", und mit Bedacht hinzugefügt „namentlich für Palästina". Daß es hierbei nicht um ein einfaches Wiederaufleben sich handelt, sondern um eine zum Teil künstliche Belebung, zeigen Ausdrücke wie Sauerstoff, pJWtf Stickstoff, Wasserstoff. Die Bedeutung der jüdischen Sprache für die Juden Kongreßpolens und Galiziens unterschätzt Herr Kaufmann. Bei der Volkszählung 1913 haben 1942000 Juden Kongreßpolens Jüdisch als ihre Muttersprache bezeichnet, nur 15000 nicht (Handbuch der polnischen Statistik, Krakau 1915). Ich bin überzeugter Christ. Doch hat Herr Kaufmann schwerlich Gründe, die ihn zu der Behauptung berechtigen, daß mir der Geist des jüdischen Volkes „fremd", d. h. unbekannt sei. Berlin-Lichterfelde West, 1. Nov. 1916. Prof. Hermann L. Strack Berichtigung Seite 443, Zeile 31 muß es statt 18. Jahrhundert heißen: 19. Jahrhundert, und Zeile 43 statt später „Handwerkerklub": früher „Handwerkerklub". Seite 480, Zeile 1 muß es heißen: des Schutzes bedürfen. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstraße iio/m. — Für Österreich-Ungarn: Dr. M. Präger, Wien I, Rotentunnstraße 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig«