Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Judenstaats-Antrag an den Berliner Kongreß (1878)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 249 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau: Jüdische Wissenschaft 249 aus Barcza folgendes Telegramm erhielt: „Ihr Antrag bezüglich der Errichtung eines selbständigen Judenreiches in Palästina hier begeistert aufgenommen. Sind zur baldigsten Abreise bereit. Ersuchen inzwischen Fahrpreisermäßigung erwirken." Zeitungsente oder ernsthafte Stimmungskundgebung einiger naiver, weltfremder Provinzialer? Gleichviel, mehr als ein interessantes Kuriosum kann in den hier dargelegten Vorgänge keineswegs erblickt werden. Josef Meisl JÜDISCHE WISSENSCHAFT Jüdisch-Deutsche Bibelübersetzungen x). Das vorliegende Buch ist die Frucht vieljähriger mühseliger Studien , eine durch strenge Wissenschaftlichkeit, volle Zuverlässigkeit und erschöpfende Gründlichkeit ausgezeichnete Monographie über die jüdischdeutschen Bibelübersetzungen bis zum Ausgang des XVIII. Jahrhunderts. Gewidmet ist das vortreffliche Buch dem Gedächtnis Moritz Steinschneiders, ,,des jüdischen Gelehrten, ohne dessen monumentum aere perennius, den Katalog der hebr. Bücherei der Bodleiana es nicht hätte geschrieben werden können" (Vorwort, S. XI). Er war der erste, der das Jüdisch-Deutsche zu einem Gegenstande wissenschaftlicher Beachtung erhob, und seit drei Jahrzehnten hat auch der Zionismus nicht wenig dazu beigetragen, das Interesse an dieser von der überwiegenden Mehrzahl der Ostjudengesprochenen Volkssprache, mamme-loschen (= Muttersprache) genannt, zu beleben. Hatte aber bisher nur der Dilettantismus oder im besten Falle einseitig orientierte Gelehrsamkeit sich dieses Forschungsgebietes bemächtigt, galten die bisher in Angriff genommenen philologischen Arbeiten am Jüdisch-Deutschen nür den. lebenden Mundarten und war für die ältere Zeit, wie überhaupt für die Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung des Jüdisch-Deutschen bisher so gut wie gar nichts geschehen, so ist jetzt durch das Zusammenarbeiten zweier hervorx) Staerk, W. und Leitzmann, A.: Die Jüdisch-Deutschen Bibelübersetzungen ▼on den Anfängen bis zum Ausgang des 18. Jahrh. (Gedruckt mit Unterstützung der Zunz-Stiftung in Berlin) 1923. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 8°. XXXII und 336 S. ragender Forscher, des im Hebräischen und in der jüdisch-deutschen Literatur gleich bewanderten Prof. Staerk und des trefflichen Germanisten Leitzmann nicht allein eine genaue Wiedergabe der jüdisch-deutschen Sprachformen in deutscher Transskription, sondern auch die geschichtliche Bestimmung der Texte nach Ursprungsort und Zeit möglichst zuverlässig erfolgt. Der weiteren systematischen Bearbeitung und wissenschaftlichen Verwertung des Jüdisch-Deutschen sind nunmehr die Wege vorgezeichnet. Da die Drucklegung des ursprünglich weit größer angelegten Werkes, das die ganze jüdisch-deutsche Literatur umspannen sollte, als finanziell undurchführbar sich herausgestellt hat, mußte die Veröffentlichung auf die jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen beschränkt bleiben. Glücklicherweise bildet dieser Teil des Ganzen immerhin ein in sich abgeschlossenes Gebiet, groß genug, um Proben der verschiedenen Stilarten zu liefern. Neben zahlreichen Beispielen einer gezwungenen, bis zu völliger Verleugnung des deutschen Sprachgeistes gehenden sklavischen Wörtlichkeit der Übersetzung, neben Proben der Verwahrlosung, der das Jüdisch-Deutsche im Munde eines Halbgebildeten verfallen konnte, finden wir auch Zeugnisse von sprachlicher und stilistischer Gewandtheit, in der ungebundenen Ausdrucksweise wie in der gebundenen, in der volkstümlichen prosaischen Übersetzung für Zwecke des Unterrichts wie in volkstümlichen dichterischen Erzeugnissen zur Erbauung und Unterhaltung. Das zu besprechende Buch besteht aus zwei Teilen, der erste (S. 1—72) behandelt die Bibelglossare, der zweite die Übersetzungen und freien Bearbeitungen biblischer Bücher. Jedem Teile ist eine literaturgeschichttiche Einleitung nebst dazu gehöriger Bibliographie vorangeschickt, jedem Abschnitte, jeder besonderen Gruppe von Texten aus Handschriften oder Drucken gehen wertvolle Angaben, Nachweise und Aufschlüsse aller Art zur Einführung voran, zahlreiche Fußnoten zu den Textproben bieten die notwendigen Wort- und Sacherklärungen. In der ersten „Zur Einführung" betitelten Einleitung (S. XIX ff.) wird das Problem der Schrift und Sprache jüdisch-deutscher Texte besprochen. Gegen Güdemanns Behauptung, die jüdischdeutsche Orthographie sei kunstvoll und planmäßig angelegt gewesen, wird dargetan, daß im Gegenteil für die Wiedergabe des Jüdisch-Deutschen durch die unzureichenden Schriftzeichen des Hebräischen fast jede Regel