Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Joseph Trumpeldor in arabischer Darstellung
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 246 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Bemerkungen: Joseph Trumpeldor in arabischer Darstellung der Stall der Ansiedlung und die Haupteinfahrt mit dem Tor. Es ist Nacht. — So stellt sich der Dichter die Bühne im letzten Akt vor. Trumpeldor, der einarmige Held von Tel Chai, und seine Kameraden sind versammelt; er gibt Orders aus, um den Angriff abzuwehren. Und alle gehorchen mit Freude, voll Vertrauen auf ihren Führer. Da kommt auf einmal der „fremde Offizier" und sein Diener Labib, der Typus der Intriganten, ein „Renegat", der seine arabischen Brüder bei seinem Herrn verleumdet (ein Gegenstück zu jenen anbieder ischen Assimilanten unseres Volkes, welche so oft schon die jüdische Renaissancebewegung verdächtigten) und Abder Rauf , ein junger, sympathischer Beduinenhäuptling. Draußen vor dem Tore schreien die „Zigeuner" , Einlaß fordernd. Schließlich dringen sie ein: ein wüstes Schlachten beginnt — und endet mit dem Rückzug des Pöbels. Aber Trumpeldor ist tödlich getroffen, und auch Abder Rauf fällt. Den fremden Offizier aber, der Haß säte zwischen beiden Völkern und schuld ward an dem ganzen Überfall, erdrosselt ein Chaluz mit eigener Hand. * Asis Dornet, der christlich-arabische Dichter, schreibt ein bilderreiches Deutsch und weiß die handelnden Personen scharf zu zeichnen. Er will seine Brüder nicht identifiziert wissen mit den raubenden und mordenden Plebs, die Tel Chai und seine Kolonisten überfiel. Dies Gesindel ist für ihn eine fremde Horde, eine »Zigeunerbande". Das Arabertum stell* der Beduinenhäuptling Abder Rauf vor, seit je ein Freund der Juden, der nur für kurze Zeit, durch die Intrigen des „fremden Offiziers" veranlaßt, Zweifler an den ehrlichen Absichten seiner Freunde wird, aber dann, das wahre Gesicht dieses Mannes erkennend, sich seines Zweifels schämt, zu Trumpeldor zurückkehrt und ihm wieder die Hand bietet: Judentum und Arabertum werden nebeneinander bestehen, wenn nur erst die anderen aufhören werden gegenseitigen Haß bei diesen beiden zu säen; oder — bis beide einsehen werden, warum diese „Fremden" schüren. Man soll nicht glauben, daß der „fremde Offizier" etwa England vorstellt; wohl wissen wir von vielen englischen Beamten in Palästina, die jener Offizier auch charakterisiert; doch ist er hier vielmehr ein Abbild aller Gegner des Zionsgedankens und des Arabertums: der Antisemit im weitesten Sinn des Wortes. * Trumpeldor schließt die Augen zum ewigen Schlaf; das Lied des „greisen Wanderers" 1), der das endlich Ruhe findende Ahasver- Judentum personifiziert — durch das Chaluzjudentum erlöst — schlummert ihn in einen leichten, schönen Tod. 3* Christlicher Bruder aus dem großen arabischen Brudervolke, sei bedankt für deinen „Trumpeldor", der uns ein neuerliches Zeichen deiner Freundschaft und Liebe ist. Wir sehen in dir, Asis Dornet, einen der besten und aufrichtigsten Kämpfer für die Verständigung unserer uralten Nationen. Nimm die Hand, die wir dir zum Bündnis reichen, bleibe uns weiterhin gutgesinnt — und die Zeit wird kommen, da wir unser Ziel erreicht haben werden: ohne Neid, brüderlich gestimmt, nebeneinander wohnend, im Lande unserer Väter, — es wird ein goldenes Zeitalter sein für unsere Völker und für die Menschheit. Rudolf Seiden x) Efraim Niswizski-Abilaa, der Dirigent des Chors der Haifaer Chaluzim, hat eine schöne Musik für die Ouvertüre und die Einlagen zu Domets Schauspiel geschrieben.