Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Pforte des Ostens [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 244 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Joseph Trumpeldor in arabischer Darstellung Städten Biel und Freiburg, die zwei Sprach - kreise oft durchaus nicht territorial gesondert sind, sondern in ähnlicher Gemenglage sich befinden, wie in Palästina, und doch (trotz aller z. B. im Weltkrieg akut gewordener verschieden gerichteten nationalen Sympathien) klaglos nebeneinander leben. Unsere Schweizer jüdischen Freunde könnten aus ihrer heimischen Theorie und Praxis sicher manche wertvolle Anregung geben. Daneben aber gibt es heute auch sonst ein reiches Feld von Untersuchungen über nationale und Minoritäten - Rechtsfragen Europa, das die Krankheit des politischen Nationalismus genügend durchkostet hat, könnte da Asien, das eben von ihr angesteckt wurde, manches von seinen Erfahrungen übermitteln. Wir Juden stehen heute vor der Pforte des Ostens, die manches Geheimnisvolle, Fremde für uns noch verbirgt. Der Zionismus will diese Pforte öffnen. Er muß dazu gerüstet sein. Eugen Hoeflichs weitere Schilderungen östlichen Lebens werden sicherlich dazu beitragen. Hans Kohn Joseph Trumpeldor in arabischer Darstellung i. Der palästinensische Dichter * A s i s Dornet ist uns wichtig als ein uns befreundeter Repräsentant des arabischen Brudervolkes, der großen Einfluß hat nicht nur auf die geistige, sondern auch auf die politische Orientierung seiner Nation. In den Zeiten, da die Demagogen und Nationalisten, angeeifert von den reichen Großgrundbesitzern, in Palästina den Boykott der Juden predigten, hat Dornet nichts unversucht gelassen, eine Verständigung der beiden Brudervölker herbeizuführen; ja, er hat sich damals ganz auf die Seite des Judentums gestellt, in der Überzeugung, daß diesem Unrecht geschieht. Diese Stellungnahme war für Dornet nicht ungefährlich, denn er zog sich durch sie die Feindschaft manch eines gegnerischen Hetzers und dessen Anhangs zu. Die Juden des Landes aber und die Führer der zionistischen Bewegung in der Diaspora machte er sich zu Freunden. Heute kommen Berichte aus Erez Israel, die von einer Annäherung von Arabern und Juden, ja sogar von Festen der Versöhnung Mitteilung machen. Dieser Erfolg, der nicht genug zu preisen ist, muß zu einem guten Teil dem Dichter Dornet zugeschrieben werden. Wir wollen diesem Manne für seine mutige Tat dankbar bleiben. * Asis Dornet wurde im Jahre 1890 zu Kairo geboren; 1894 kehrte seine Mutter mit ihren Kindern nach Haifa, ihrer eigentlichen Heimat zurück. Asis absolvierte hier die Schule des deutschen Missionshauses und wurde, neunzehnjährig, deutscharabischer Lehrer. Doch schon im nächsten Jahre reiste er nach München, um eine gründliche wissenschaftliche Bildung zu erwerben. Hier erwachte seine Liebe fürs Theater und für die Dichtkunst. Im Jahre 1911 war er für kurze Zeit im Elternhause, dann setzte er seine Studien in Budapest fort. Oskar Beregi, der berühmte Schauspieler, wurde sein Freund und Berater; andere Große — die Orientalisten Vam« bery, Goldziher, Strauß und Ed. Mahler — förderten den jungen talentierten Poeten. Damals entstanden die Pläne zu später vollendeten dramatischen Arbeiten; nur das Schauspiel „Die Tänzerin von Fayum" bald vielfach anerkannt, wurde vollendet. 1917 übersiedelte Dornet nach Konstantinopel, dann nach Beirut; hier nun wurden seine Trauerspiele „Der letzte Omajade", „Belsazar", „Haremspiel" und „Ben Sina" geschaffen. Um diese Werke zur Aufführung zu bringen, reiste Dornet im Jahre 1920 nach Berlin. Die freundliche Aufnahme, die Dichter und Dichtung bei Publikum und Kritik fanden, gab Zeugnis von ihrer Bedeutung. So kehrte er nach Haifa zurück, begleitet von seiner jungen Frau,