Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Frage der Selbstregierung Palästinas
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 216 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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2l6 Arno ld Ku tzinski : ist nur einem ernannten Staatsrat verantwortlich. Der Libanon und die Syrische Föderation besitzen Legislativen, die scheinbar vom Volk gewählt sind, aber in beiden Fällen ist die letzte Entscheidung sorgfältig der Man« dätarmacht vorbehalten. In Palästina ebenso wie sonst im Nahen Osten bietet ein Kompromiß, unter welchem Namen man es auch fassen möge, die augenblickliche Lösung des Verfassungsproblems; aber in dein Maß, in dem die politische Erziehung zunimmt, wird das Schwergewicht in der Richtung der vollen Selbstverwaltung verschoben werden. Diese Entwicklung wird nicht beschleunigt noch — wie zu hoffen ist — verzögert durch das Mißlingen der ersten Wahlen zum Gesetzgebenden Rat. Der organisierte Boykott der Moslemisch-Christlichen Vereinigung hatte den Erfolg, die Wahlen in den meisten, wenn auch nicht allen Wahlkreisen, bedeutungslos zu machen. Aber eine Politik des unvernünftigen Widerstandes hat keine Zukunft. In einem nahen oder auch noch entfernteren Zeitpunkt werden sich die aufbauenden Kräfte unter den Arabern doch das Übergewicht erringen, und die Entwicklung der Selbstverwaltungsinstitutionen wird an dem Punkt wieder aufgenommen werden, wo sie im Augenblick unterbrochen worden ist. ARNOLD KUTZINSKI / SIGMUND FREUD - EIN JÜDISCHER FORSCHER Eine volkspsychologische Skizze Ist die Fragestellung, ob die Leistung eines Juden der Gegenwart eine jüdische Leistung ist, überhaupt berechtigt und, wenn berechtigt, ist sie dann lösbar? Gibt es überhaupt eine jüdische Eigenart, ist sie losgelöst vön Werturteilen, losgelöst von schematischen Rubrizierungen anschaulich zu machen und wissenschaftlich zu umgrenzen? Wenn man die sich widersprechenden Urteile über den jüdischen Volkscharakter in der Vergangenheit und Gegenwart sich vergegenwärtigt, so scheint es, als ob man hier vor unendlichen Schwierigkeiten stände. Es soll hier nicht von jenen gefühlsmäßigen Faktoren gesprochen werden, die auf dem Wege der Intuition zu einer wunderbaren Charakterisierung des jüdischen Geistes kommen, so wie es von Buber in seinen Reden über das Judentum geschehen ist. Auch an die Worte von Nichtjuden, z. B. Nietzsches, über den jüdischen Volkscharakter sei erinnert. Hier handelt es sich um gefühlsmäßige Eindrücke, um psychologische ImproVisionen, die oft ein überraschendes Licht auf die Wesenssart eines Volkstums werfen. Es sind Intuitionen, deren hohe Bedeutung nicht angezweifelt werden kann, die aber bei der Natur des bald