Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Erscheinung der Kindheit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 185 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheinung der Kindheit 185 Jedoch auch gibts ein plötzlich Gottesfceil, Das Er dem Treuen schenkt. Kein Blick faßt seinen Quell, kein Seher seine Zeit. Des harr ich stumm, mich Tag und Nacht bereitend, Wie eine Harfe ist mein Geist nach ihm gespannt — — Ich weiß nicht, wo und wann und kenn den Weg noch nicht: Wer wird der Engel sein, der mir den Segen bringt? Nur Eines weiß mein Herz und kündets seherisch,. Daß noch die Schau geschenkt mir wird, Der höchste Wunsch gewährt — — Wenn der erhabne Augenblick dann kommt, Ists wie ein Augenwink der Ewigkeit, Der plötzlich über mich aus aufgebrochnen Höhen blitzt — Da öffnet sich mein Aug und leuchtet rein wie Kindesblick, Und meiner Kindheit Bilder all, in ihrem Wandel, Mit allem Wesen rings, Durchströmen stumm die Seele mir. Und rollen Karawanen Lichts Hin über mich wie Morgenträume. Die fernen, plötzlich nahn, Längst eingeschlafnen Stimmen wachen, Vergessne Düft und Farben leben auf. Noch einen Augenblick schwankt die Vision, Dann überströmt sie mich und läßt mich Lebenssaft Mit einem bis ans Ende schlürfen. Und wieder steh betroffen ich Vor einer Welt, in Wundern rein, Dem tief verschloßnen Paradies, Durchsät von Wunder rätseln, Die nie noch Menschenhand berührt Und nie versuchte Lippenwort sich dran — Mein Herz ist des Getöses voll, Von Gottesstaunen hell mein Angesicht» In meinem Auge bricht die Trän hervor, Und der Posaune stummer Ruf im Herzen.