Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Erwiderung
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 128 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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X28 Umschau: Bibelwissenschaft den Worten, daß „ich mich oft mit nüchternen und gesunden Ansichten in einen wohltuenden Gegensatz zu den gerade in der Mode befindlichen Hypothesen setze", (S. 671 a) hin. Das ist wenigstens ein Wort der Anerkennung für den heißen Kampf, in dem ich gegenüber der darwinistisch-evolutionistischen Umdeutung stehe, die von den Wellhausenianern an den althebräischen Religionsurkunden geübt wird und nach der Herrschaft strebt, wie man es aus der Diskussion ersehen kann, welche diesen Umdrehungsversuchen in meinen neuesten Veröffentlichungen (hauptsächlich „Geschichte der alttestamentlichen Religion, kritisch dargestellt" 1924) gewidmet werden mußte. Wenn mein Rezensent aber hinzufügt, daß meiner Stellung „das Gebrechen der Halbheit anhafte, die sowohl kritisch wie -gläubig sein und in beiden Lagern eine Stimme behalten wolle", so ist das die bitterste Verkennung meines Standpunktes, die er hätte aussprechen können. Denn meine Stellung zu den großen Fragen, die in unserem Zeitalter auf dem Gebiete der althebräischen Literatur- und Religionsgeschichte spielen, ist seit dem Anfange meiner akademischen Tätigkeit einzig und allein durch die methodischen Prinzipien der grammatisch - historischen Auslegung und der vergleichenden Wissenschaft der Neuzeit beherrscht. Ebendeshalb, weil mein Streben nur darauf gerichtet ist, nach diesen Grundsätzen die geschichtliche Wahrheit zu erforschen, habe ich auch — allermeistens auf ausdrückliche Einladung der betreffenden Redaktionen — gern Mitarbeit an jüdischen Zeitschriften geleistet und mich dem fanatischen Hasse der Antisemiten preisgegeben. Weil dies alles sich aber so verhält, so mußte die Art, wie meine literarische Tätigkeit von Hern Dr. Jacob gekennzeichnet worden ist, eine herbe Kränkung für mich enthalten. Eduard König Entgegnung Auf die vorstehende Erwiderung beschränke ich mich, Folgendes zu entgegnen: II Hinsichtlich des allgemeinen Teiles meiner Besprechung glaube ich das Urteil getrost dem Kenner der schriftstellerischen Art von Prof. König überlassen zu dürfen. Daß er selbst anderer Meinung sein werde, war vorauszusehen. Seine auch von mir gewürdigten Bemühungen um die Bekämpfung antisemitischer Irrlehren gehörten nicht hierher. Was die speziellen Ausstellungen anbetrifft, so hat Herr Prof. K. keine von ihnen widerlegt. Es handelt sich um ganz elementare Dinge: 1. Daß Habinenu nicht, wie er behauptet, „merke auf uns", sondern „mach uns einsichtig" heißt, habe nicht erst ich „dekretiert", sondern hat bis auf ihn niemals dem geringsten Zweifel unterlegen. Das Gebet ist bekanntlich (steht es doch in allen unsern Gebetbüchern) die abkürzende Zusammenfassung der 13 mittleren Berachoth der Schemone Essre und das erste Wort (oder der erste Satz) vertritt die vierte Berachah, in der um Einsicht gebeten wird. Das Gebet stammt von dem babyl. Amoräer Samuel (Ber. 29a vgl. j. IV3). Aus Elbogens Werk: „Der jüdische Gottesdienst", in dem es an nicht weniger als neun Stellen besprochen wird, kann män sich auch über die Geschichte dieses Gebetes unterrichten. 2. Daß in der Verbindung jozer b'reschit im Aienu-Gebet das Wort b'reschit wie überhaupt im Neuhebräischen ein Begriff und als ein Substantiv Schöpfung zu verstehen ist, kann allerdings als absolut ausgemacht gelten. Auch dies zu wissen, erfordert keine Gelehrsamkeit. Es genügt auf J. Levys Wörterbuch zu verweisen: Schabbat b. der Sabbat der Schöpfung, scheschet j'me b. die sechs Tage der Schöpfung, baruch osse b. (eine jedem jüdischen Kinde bekannte Benediktion). Anstatt weiterer Zeugen zitiere ich nur Bacher, „Die exeg. Termino - logie I 112: „Maasse b'reschit der Bericht von der Schöpfung", weil dieser Gelehrte an anderer Stelle (die ich gegenwärtig nicht zur Hand habe) diesen Sprachgebrauch ausdrücklich festgestellt hat. 3. emeth „in Wahrheit" gibt Herr Prof. K. selbst zu. 4. Für m'juchas „von legitimer Herkunft", was K. wieder unannehmbar ist, braucht gleichfalls nur auf Levy verwiesen zu werden: „jiches von jachas: einer vornehmen Familie zuzählen, seine edle Abstammung nachweisen". Auch dies ist jedem Leser des Thalmuds bekannt, und was jichus ist, weiß jeder Jude. Niemals heißt m'juchas „ins Geschlechtsregister (ob es solche gegeben habe oder nicht) eintragen". — Daß seine Zitate falsch sind, kann Herr Prof. K. selbst nicht bestreiten. B. Jacob Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Ernst Simon, Frankfurt am Main. Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julius Beltz in Langensalza