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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 2 · p. 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Zur Argumentation der Poale-Zion
Date
1923-01-01
Page
122 (sequence 2)
Language
German
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122 Umschau: Religiöse Bewegung Ländereien. Sie können aber nicht anderen arbeit- und landsuchenden Menschen den Zutritt zu den freiliegenden Böden verwehren. Ein Eigentumsrecht von Völkern oder Völkersplittern auf unbevölkerte, unerschlossene Länder, die sie mit ihrer Arbeit nicht ausfüllen, ist vom Standpunkt internationaler Ethik ebenso unhaltbar, wie das . „Recht" der feudalen Grundherren, große Ländereien mit Berufung auf ihren Eigentumstitel zu sperren, sie der Arbeit und Erzeugung zu entziehen. Gegenüber einigen reaktionären antizionistischen englischen Politikern sagt er, daß dieselben Menschen, die sich über die angebliche Unterdrückung der Araber in Palästina beklagen, immer für die größten und wirklichen Bedrückungen eingetreten sind, wenn es sich um Irland, Italien oder Ägypten gehandelt hat. Sie fürchten, daß Palästina nicht ein Land bloßer „natives" bleiben werde und deshalb für das Erwachen des Orients von Bedeutung werden könnte. — Kaplansky und seine Partei haben bekanntlich das große Verdienst, die englische Arbeiterpartei und ihren Führer Ramsay Macdonald für das Aufbauwerk interessiert zu haben. Deshalb ist anzunehmen, daß es Argumente, wie die eben •angeführten waren, durch welche der Labour Party das Recht der Juden auf Palästina plausibel gemacht wurde. Adolf Böhm RELIGIÖSE BEWEGUNG Die „Achduth" Aus den jüdischen Wochenschriften ist bereits bekannt geworden, daß unter dem Hamen „Achduth" eine Vereinigung gesetzestreuer Juden Deutschlands gegründet wurde, die — das liegt bereits im Worte .„Achduth" - Einheit begründet — alle Gesetzestreuen, unbeschadet der jüdisch-politischen und taktischen Einstellung des Einzelnen, zusammenfassen will und nicht nach dem Bekenntnis ihrer Mitglieder zur Agudah oder zum Misrachi, zum Zentralverein oder -zur Separatgemeinde fragt. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten sind eine selbstverständliche Voraussetzung für eine Vereinigung, welche die praktische Lösung der brennenden Gegenwartsaufgaben entpolitisieren will. All das wird bereits in dem Zweckparagraphen des Statuts mit den Worten zum Ausdruck ^gebracht: „Zweck der Vereinigung ist •die Zusammenfassung aller auf dem Boden «der jüdischen Gemeinschaft stehenden gesetzestreuen Juden Deutschlands zur gemeinsamen Lösung der dem thorahtreuen Judentum erwachsenden Aufgaben." Ferner darf als bereits bekannt vorausgesetzt werden, daß diese neue Vereinigung den ernsten Wunsch hat, friedlich ihres Weges zu gehen und sich, wo es nottut, mit anderen Organisationen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufinden, trotzdem aber bereits heute von einer heftigen Gegnerschaft bedroht wird. Deshalb sollen hier die wahren Beweggründe, die zur Begründung der Achduth geführt haben, in historischer Linie dargelegt werden. In einem die Begründung der Achduth würdigenden Artikel der (Wiener) „Jüdischen Presse" unter dem Stichwort ,,W a s geht in Deutschland vor?" befinden sich die beachtenswerten Worte: „Geschichtlich ist festzustellen, daß eine Etappe erreicht ist, die als logische Notwendigkeit von Anfang an vorhanden war." Von Anfang an, das heißt, von dem Augenblick ab, als eine Differenzierung in der deutschen Orthodoxie eintrat. Die alte Kehillah, wie sie aus den Zeiten des Ghettos hinüberreichte in das Emanzipationszeitalter, hatte nicht mehr den festen Halt, bildete nicht mehr das unerschütterliche Bollwerk, an dem zersetzende und negierende Bestrebungen zerschellen mußten. Zu unvorbereitet hatte die Emanzipation die deutsche Judenheit getroffen. Wie es müßig ist, heute die Frage auf zuwerfen, ob die Emanzipation ein Danaergeschenk war oder nicht, ob Moses Mendelssohn oder aber die ihn befehdenden Rabbiner Recht hatten, deren Weitblick man nicht unterschätzen soll, so nebensächlich ist heute die Frage, ob es nicht besser, ob es möglich gewesen wäre, den Ausgleich zwischen jüdischer Überlieferung und der Kultur der Umwelt freiwillig vorzubereiten. War auch zur Zeit des Ghettos durch die Tendenz des Religionsgesetzes und der politischen Gesetzgebung eine Absperrung der Juden von den anderen Völkern hervorgerufen: die trennende Mauer war nicht lückenlos. Ganz abgesehen von dem täglichen Wirtschaftsverkehr,der Juden undNichtjuden miteinander in Verbindung brachte — es gab unter den Juden genug wissensdurstige Köpfe, die sich hinaussehnten nach der unerkannten Welt. Wie das Licht die Motten anzieht, so übte die Kultur der europäischen Nationen eine fast magische Anziehungskraft aus auf die in ungebrochener geistiger Kraft im Ghetto Lebenden. Bald sollte sich zeigen, daß die Emanzipation den Juden in eine unhaltbare,

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