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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 2 · p. 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Zur Argumentation der Poale-Zion
Date
1923-01-01
Page
121 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU KOLONISATION Zur Argumentation der Poale-Zion Heute liegt uns ein Büchlein von Salomon Kaplansky *) vor. Es ist eine Sammlung von Aufsätzen, die der Autor in den letzten zehn Jahren publiziert hat. Sie behandeln die verschiedensten Themen, insbesonders die vom Autor, seinem poalezion istischen Standpunkt entsprechend, bevorzugten sozialen: Bodennationalisierung und Arbeitergenossenschaften, die beide zusammenwirkend die Nationalisierung der Arbeit verbürgen. Über diese Fragen findet sich in diesen Artikeln eine Fülle von Material, das der Autor in seiner klaren und logischen Art behandelt. Für diejenigen, welche die einschlägigen Probleme nicht gründlich kennen, bieten diese Artikel auch heute noch viel Belehrung. Von aktuellerem Interesse ist der Aufsatz über „Kapitalbeschaffung für Palästina", der 1918 geschrieben ist. Kaplan sky gibt darin zu, daß für alle Zweige der Erschließung Palästinas privates Kapital notwendig ist, bloß der Boden soll vom Jüdischen Nationalfonds erworben werden. Der Bodenerwerb sei für private Unternehmer ohnehin kein rentables Unternehmen, da nur auf einen sehr mäßigen Pachtzins gerechnet werden kann, der nicht genügen könne, um das hineingesteckte Kapital gut zu verzinsen. Dieses Argument und viele andere hat d e Lieme später in seinem Aufsatz über „Die Zukunft des JNF" im Heft 5 von „Erez Israel" in ausführlicher Weise geltend gemacht. Kaplansky spricht einer Anleihe des JNF unter Verpfändung seiner Einnahmen das Wort, ähnlich wie es Ruppin in seinem „Aufbau"-Buche getan hat. Es ist aber zu bezweifeln, ob dieser Weg heute gangbar ist. Die Einnahmen des JNF sind gegenwärtig durch Ratenzahlungsverpflichtungen für gekaufte Böden zum großen Teil schon vorweg engagiert und ein anderer Teil durch verschiedene Investitionsarbeiten und ^ergl; gleichfalls im voraus beansprucht. Freilich würden im Falle einer Anleihe diese Verpflichtungen durch das einfließende Kapital gedeckt sein, und darüber hinaus könnte der JNF neues Land erwerben, während seine bpenden-Einn ahmen zur Verzinsung und langsamen Rückzahlung des Obligationskapi- Igf verwendet werden könnten. Man darf v*) S. Kaplansky: Probleme der Palästina- Kolonisation. (Verl. Ferd. Ostertag, Berlin.) aber nicht vergessen, daß der JNF sich auf freiwilliger Spendenleistung aufbaut. Es ist aber ein anderes, diese Spenden einzufordern durch den Hinweis auf die mit ihrer Hilfe zu leistenden Arbeiten oder sie zu dem Zwecke zu verlangen, um eine aufgenommene Schuld zu tilgen. Es ist auch schwer anzunehmen, daß sich Geldgeber finden werden, die auf Grund der in einer langen Reihe von Jahren zu erwartenden Spendeneinnahmen größere Kapitalien für JNF-Obligationen zeichnen werden, im Ausmaße des zehn- und zwanzigfachen einer durchschnittlichen Jäh« reseinnahme. Der JNF hat seither durch Kauf sehr großer Bodenstücke auf Grund viel jähriger Ratenzahlungen einen Weg ge^ runden, Boden für ein Vielfaches seiner verfügbaren Mittel zu erwerben. Dies konnte viel leichter gelingen als die Aufbringung einer Anleihe, weil dem Verkäufer der Boden, für die Zahlung haftet. Deshalb haben sich auch arabische Großgrundbesitzer zu solchen Verkäufen bereit gefunden. — In einem Aufsatz über das Palästinamandat (1921), der hauptsächlich eine Rechtfertigung des rechten Flügels der Poale Zion Partei, dem Kaplanskyangehört, gegenüber den Vorwürfen des linken Flügels wegen Zusammengehens mit den „bouigeoisen" Zionisten enthält, sagt Kaplansky einige „Selbstverständlichkeiten", die aber auch heute noch angesichts der ewigen Lamentationen auf den zionistischen Tagungen über die Verkürzung der zionistischen Rechte, unterstrichen werden müssen: „Der pläktische Wert des Mandats wäre auch nicht größer, wenn mehr drin stünde... . Die Frage ist bloß, welche Ansammlung von realen. Kräften das Mandat ermöglicht. Palästina ist uns offen, aber nur der Drang der jüdischen Massen, die ins Land strömen, wird die Tore offenhalten." In einem Aufsatz über „ J u - d eti und A r ab er in Pa 1 ä s t in a" sagt Kaplansky, um das Recht der Juden auf Besiedlung Palästinas vor der Arbeiterinternationale zu verteidigen: „Vom Standpunkt dieser Aufgabe der internationalen Arbeiterdemokratie (der Ersetzung der ausbeu^ tenden Kolonialpolitik des Imperialismus durch eine sozialistische Kolonisationspolitik» welche unerschlossene Länder durch Siedlungsarbeit befähigt, an der Steigerung der Weltproduktion teilzunehmen) können einige hunderttausende Araber kein Eigentumsrecht auf Palästina beanspruchen. Sie haben ein Arbeitsrecht auf die von ihnen bestellten

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