Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Sozialismus des alten Judentums
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 112 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Bertha Badt - Strauss: jüdischen Männern, die sich für den Sozialismus opferten. Ein Gesandter des Gottes der Geschichte, dessen ganze große Arbeit der sittliche Feuergeist sporne, wird Karl Marx von Hermann Cohen genannt (ebd. S. 312). Und als die Kinder von Gustav Landauer der Welt anzeigten, daß ihr Vater erschlagen worden war, rühmten sie ihm nach: „Er fühlte brüderlich mit allen schaffenden und beladenen Menschen, er lebte und starb für sie." BERTHA BADT*STRAUSS / ÜBERTRAGUNGEN HEBRÄISCHER GEBETE Wir setzen mit den folgenden Beiträgen die Versuche fort, die bisher vor allem Franz Rosenzweig und Gerhard Scholem "hier veröffentlicht haben. Das „Lied zu Sabbathausgang" tritt damit in kurzer Zeit zum dritten Male vor ein deutschsprachiges Publikum: der Übersetzung durch Gerhard Scholem, die wir in Heft 7/8 wiedergaben, ist bereits eine von Franz Rosenzweig in der „Gabe" zum 50. Geburtstag des Rabbiners Nobel vorangegangen1). Gerade diese Vergleichsmöglichkeit wird vielleicht auch die theoretische Seite des Übersetzungsproblems aus dem Hebräischen fördern, für das Bertha Badts einleitende Worte, die wir aus ihrem Briefe an die Redaktion hierhersetzen, eine erste^ Gruppierung der möglichen Stellungnahmen andeuten2). Die Frage selbst müßte unter den Übersetzern einmal ernsthaft erörtert werden: sie hat — neben dem literarischen — zwar wohl kaum ein praktisch-religiöses Interesse, wohl aber ein sprachphilosophisches und vielleicht gar ein metaphysisches. E. S. as ich gegen Scholems Übersetzung einzuwenden habe, ist dies: Er verfehlt den Grundton des Gedichts. Ich verkenne nicht, daß er die verschiedenen Untertöne des geschriebenen hebräischen Originals wiederzugeben strebt und sich fern hält von jener herkömmlichen „freien" Übersetzung des alten Siddurtextes, die zur härtesten Sklaveiei gegenüber dem poetischen Zeitgeschmack geworden ist. Aber: er gibt uns eine, im einzelnen schöne, philosophische Hymne; das Lied von der Scheidung zwischen Heiligem und Gemeinem dagegen ist zum Volkslied der jüdischen Familie geworden. Jeder, der dies Lied in seiner Kindheit hörte, wird mir recht geben. Zu dem tapferen Kriegsgesang, der beim Abschiede von der Friedenswelt des Sabbaths in den Worten Davids den Kampf mit dem Alltag wieder aufnimmt (Ledowid boruch), fügt sich hier in beruhigter Naivität die vertrauensvolle Bitte um äußeren und inneren Segen: Geld und Gut, Kinder und Unschuld des Herzens. Ein solches Lied kann nicht mit der papiernen Unterscheidung beginnen: „Der scheidet zwischen Heiligem und Profanem". 2) Frankfurt, bei Kaufmann 5682. 2) Vgl. auch die Bemerkungen von Gerhard S c h o 1 e m^vor seiner Übersetzung, „Eines Mittelalterlichen Klageliedes", Jahrgang IV, Heft 5, S. 283.