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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 2 · p. 78

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Die Agudas Jisroel und ihre Kńessioh gd́auloh
Date
1923-01-01
Page
78 (sequence 7)
Language
German
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78 Nathan Birnbaum: Die Agudas Jisroel und ihre K'nessioh g'daulob a priori aus. Ob es aber immer dabei bleiben wird, ob jene Gegensätze sich auch weiter in ihre gegenwärtige Herrschaftsgebiete friedlich teilen oder ob sie nicht einmal wieder gegen einander werden ausfällig werden, oder ob sich gar über ihnen ein dauernd Gemeinsames aufbauen wird, das sie beide eint und tilgt — ist natürlich eine Frage für sich. Jedenfalls scheint mir die letzte Lösung ohne eine entsprechende Gestaltung des Rabbinates der Zukunft nicht möglich. Und ich meine: Die Agudas Jisroel kann Wegbahnerin zu jener höheren Einheit und zu manch anderem Erstrebenswerten werden, wenn es ihr gefallen und gelingen wird, ihre Institution des „Großen rabbinischen Rates*t so auszuweiten und zu vervollkommnen, daß dem jüdischen Volke eine geistliche Behörde gegeben wird, die Weisheit der Lehre und Weisheit der Welt vereinigt und in der die verschiedenen Tönungen der Gesetzerfüllung und der religiösen Sehnsucht vertreten sind- Doch um von den Zukunftswünschen wieder zur Wirklichkeit zurückzukommen, und zwar zu einer Wirklichkeit, die Zukunft in sich birgt; Die K'nessioh g'dauloh war nicht arm an bedeutenden Menschen und war reich an froh bejahender Jugend. Es ist, glaube ich, nicht nötig, daß ich eine Namensliste der bedeutenden Menschen, die zur K'nessioh g'dauloh erschienen waren, vorlege. Jeder> dem sich die Bedeutung von Menschen nicht nur dann offenbart, wenn er sie in der leiblichen und seelischen Gewandung des europäischen Intellektuellen zu Gesichte bekommt, konnte die bedeutenden Menschen in der Gruppe des Ostens herausfinden. Und jeder, dem eine Geistigkeit nicht unfaßbar ist, die eine andere Geschichte hat als seine eigene, konnte sie innerhalb der Gruppe aus Deutschland feststellen. Ganz ebenso mußte aber auch jeder, dem die Vorstellung eines jungen Menschen, der sich für das alte Judentum samt seinen überlieferten Formen statt für irgend eine Weltanschauungs-Neuheit erwärmt, nicht a priori unerträglich ist, die Jugend auf der K'nessioh g'dauloh als sehr beachtenswert erkennen. Sie zeigte sich glühend in ihrer Überzeugung und in ihrem Eifer, voll heiliger Kampfeslust, stolz darauf, hüben zu stehen und nicht,. Gott behüte, drüben, treu und diszipliniert. Dabei hatten schon viele von den jungen Leuten der Versuchung ins Auge geblickt, ja atemlos ihrer Lockrede gelauscht, um sich schließlich doch zu besinnen. Und war dies alles schon weit mehr, als nach den schweren Jahrzehnten des Zurück-gesetztseins und des Sich-zurücksetzen-lassens zu erwarten war —, man erlebte doch noch größere Überraschungen. So, daß manche dawaren, die sich mit gar großen Ansprüchen an sich und ihr Volk herumtrugen: Eine Oase soll es werden,, in der eine Quelle von Heiligkeit strömt, hinausströmt, immer mehr Wüste in Oase verwandelt — bis keine Wüste mehr da ist... . Möglich, daß solches Hineinahnen von Ewigkeit in die Zukunft weit über den Rahmen der Agudas-Jisroel-Aufgaben hinausgeht. In jedem Falle aber hat sie das Recht, auf die Ahnenden selbst stolz zu sein und mit ihnen zu rechnen.

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