Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judentum im deutschen Denken
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 15 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul de Lagarde 15 oder Verlassen des Landes zu stellen; 2. er hat gegebenenfalls im Interesse der Nation deren Gebiet zu erweitern, und die unterworfenen Völker vor die Wahl zwischen Assimilierung oder Vertreibung zu stellen. „Diese Politik ist etwas assyrisch, aber es gibt: keine andere mehr als sie", meint Lagarde. Daraus wird folgendes Bild von der Judenpolitik des Deutschen Reiches, wie sie Lagarde fordert, verständlich. Das deutsche Volk kann — national wenig gefestigt, wie es ist — kein fremdes Volk in seiner Mitte dulden, am allerwenigsten eines von der nationalen Solidität und der geistigen Gefährlichkeit des jüdischen. Der Staat hat daher die Juden entweder zu assimilieren (bezw. die eigentlich außerhalb der Möglichkeiten des Staates liegende Assimilation vorzubereiten) oder zu vertreiben. „Aber um Gottes willen, ganz herein mit ihnen oder ganz hinaus." Speziell kommt allein die zweite Möglichkeit gegenüber den Ostjuden in Frage im Falle der im Zweifrontenkriege gegen Frankreich und Rußland etwa zu erreichenden Gründung eines Mitteleuropa, mit den Deutschen als Staatsvolk. Lagarde läßt es dabei offen, ob man diese nach Palästina oder nach Madagaskar abzuschieben habe. Doch dieses ist sozusagen nur das Ideal Lagardes. In concreto diskutiert er Folgendes: 1. Beschränkung des jüdischen Einflusses auf Deutsche durch gesetzliche Mäßnahmen: a) Börsenmonopol, b) Landesverweisung auf Wucher und Ramsch, c) Preßgesetze. Lagarde findet, daß durch eine derartige Gesetzgebung die Juden von sich selbst erlöst werden würden. 2. Unterbindung des jüdischen Internationalismus: „Keine Kultusbeamte dürfen in Deutschland angestellt werden, welche ihre Bildung im Auslande empfangen haben." Man tut gut, sich bei der Beurteilung dieser Forderungen klar zu machen, daß sie von einem radikalen Moralismus getragen sind, von demselben Moralismus, der auch zur Verwerfung des Paulinismus trieb. So nahe berühren sich und so bald entfernen sich voneinander der radikale Moralismus des von Fichte herkommenden Deutschen und derjenige der unter ganz anderen Einflüssen stehenden zionistischen Schriftsteller und Politiker.