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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 8

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Politische Gegenwartsprobleme des deutschen Judentums
Date
1923-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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8 Paul Amann: Politische Gegenwartsprobleme des deutschen Judentums Zügen, Weil sie immer in einem Übergangszustande sind." (Kaum glaublich, daß sich dies auf England und nicht auf Deutschland beziehen soll!) „. . . Ohne die wallisischen und schottischen Elemente gäbe es nicht viel wirksamen Gärstoff; aber man darf nicht übersehen, wie zahlreich jetzt diese Walliser, Iren und Schotten sind und die Freude an Eleganz und geistiger Aussprache oder an Gesang, vor allem aber an Ideen besteht doch so in unserer Mitte, obgleich sie nicht überall eine rauhe Grundschichte zu decken vermögen. . . ." Es ist also, von außen gesehen, die jüdische Funktion in Deutschland nicht ohne Beispiel, so viel Sonderzüge sie aufweisen mag. Vom deutschjüdischen Standpunkte ist im viel erörterten Problem der Assimilation ein deutscher Sonderzug stark hervorzuheben: in Frankreich, England, Italien, Rußland steht einer wenig zahlreichen jüdischen Bevölkerung eine höchst durchgebildete, auch im Geistigen traditionsstarke Gesellschaft gegenüber; da die Juden dort zum Teil fremdsprachige Zuwanderer sind, ist weitgehende Angleichung an die neue Umwelt eine Selbstverständlichkeit. Die ,,Europäisierung" der deutschen Juden hingegen ist kaum viel jünger als das Neueintreten Deutschlands in die allgemeine Kulturgeschichte; die deutsche oder vielmehr preußische Gesellschaft enthält wohl in der Armee, in Junker- und Beamtentum Kerne verfestigter Tradition, im ganzen aber ist alles unfertig und nun gar in eine Krise auf Leben und Tod getreten. Was Wunder, wenn die Zuckungen dieser Wehen, die einer Agonie zum Verwechseln ähnlich sehen, den „Fremdling in ihrer Mitte", den „loyalen Staatsbürger" bedrohen? Ich weiß keinen für alle gangbaren Ausweg aus solcher Not; aber es schien mir nützlich, wenigstens die Elemente zu analysieren, die da im Aufruhr sind. DAS JUDENTUM IM DEUTSCHEN DENKEN1) LEO STRAUSS / PAUL DE LAGARDE Der Jude bedarf eines außerordentlichen Maßes von Reflektiertheit; er muß sich mit vieler Mühe eine Distanz allererst erobern, die für die Völker der Welt von vornherein gegeben ist. Diese Reflektiertheit charakterisiert insbesondere den Zionisten. Unsere „Renaissance" ist kein Aufblühen naiver Kräfte, sondern die Bemühung und das Produkt des sich selbst problematisierenden jüdischen Geistes. Sie hat ihren Ursprung im Willen, sie ist eine moralisch bedingte Erscheinung. Wenn Gerechtigkeit die Fähig- *) Vergl. den Aufsatz von Rodert Arnold Fritzsche über Hermann Cohen in Heft 7/8 des vorigen Jahrgangs.

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