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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 733

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Der Gottesstaat
Date
1923-01-01
Page
733 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Religiöse Bewegung 733 Gottesstaates geht nicht von Hegeischen Kategorien aus. Seine philosophische Einstellung ist kantianisch. Er folgt der Linie, die zu Hermann Cohen hinführt, indem er „ohne moderne Gedanken und Probleme in das Gesetz hineinzuinterpretieren", doch in den Grundlagen des gesamten mosaischen Gesetzes, nicht etwa allein in den Gedanken der Propheten, eine letztliche Übereinstimmung mit der kantischen Sittenlehre zu sehen glaubt. Besonders in der umfassenden Forderung: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin Ich, der Ewige, euer Gott", die das Grundprinzip des mosaischen Staates ausspricht, findet er diese Übereinstimmung des mosaischen Imperativs mit den Imperativen Kants. Ihm ist die Idee des heiligen Gottes das transzendentale a priori,-das konstituierende Prinzip des jüdischen Staates, aus dem dann alle einzelnen Bestimmungen folgen. Vor allem erscheint der Sabbath als die Krone des theokratischen Gedankens. „Er symbolisiert die Idee des mosaischen Staates; er ist der Schlußstein des mosaischen Staatsentwurfs." Der ganz besondere Wert dieses Buches liegt aber nicht in der Darstellung der Prinzipien der jüdischen Theokratie, so klar und philosophisch gut fundiert diese ist, sondern vor allem in seiner Einbettung in die gegenwärtige Problematik der Halachah, in der lebendigen Beziehung, die hier der jüdische Staatsgedanke zur jüdischen Gegenwart und Zukunft erhält. In den überaus gedankenreichen ein- und ausleitenden Abschnitten erhält die Arbeit von Jacobus eine weit über ihren Inhalt hinaus reichende symptomatische Bedeutung. Es ist bereits bezeichnend, daß der Verfasser die Schrift von Travers Herford über das pharisäische Judentum zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung macht Es scheint hier eine gewisse Gleichheit des Zieles vorzuliegen. Travers Herford, der christliche Geistliche, der mit einer bewunderungswürdigen Objektivität den Wert und Sinn des jüdischen Gesetzes für die Welt und das Judentum aufweist, zerstört den Glauben an die von christlicher Seite behauptete Starrheit und Seelenlosigkeit der Halacha; er wendet sich vor allem gegen die sogenannte „Vorhallentheorie". Seine Aufgabe war eine mehr apologetische, er hat der „Halachah der Thorah" den Weg geebnet, auf dem Jacobus weitergehen kann. „Die Zeit ist reif geworden * ü r die Halachah"— das ist sein Glaube und Ruf. Er sieht in der „Rückkehr des jüdischen Volkes zur Lebensbejahung in ihrem tiefsten Sinn die Rückkehr zum Gesetz." Die Zeit fordert daher seine systematische Begründung. Der in Erez-Israel als praktischer Landwirt lebende Verfasser sieht heute zum ersten Male für das jüdische Volk wieder die Möglichkeit, die Prinzipien des Gottesstaates auf heiligem Boden zu begründen, denn das ist seine tiefste Meinung: daß noch niemals sich die Halachah in ihrer Ganzheit auswirken durfte. Heute aber bietet das neue Palästina wieder eine Möglichkeit für sie, die nicht versäumt werden möge. Durch westeuropäische Assimilation von ihrem königlichen Platze verdrängt, kann die Halachah wieder von neuem zur Verfassung des religiösen und nationalen Lebens des jüdischen Volkes erhoben werden. Der Verfasser zeigt die ganze Problematik des geistigen Aufbaues von Volk und Land auf: fordert die Zeit die Entthronung der Halachah? oder soll sie wieder maßgebende oberste Instanz des jüdischen Lebens werden? Ist sie berufen den Aufbau des jüdischen Landes zu gestalten? Wird ihre „soziale Trias" — Sabbath, Schmittah, und Jowel — gar einst von den „Völkern" übernommen werden? Diesen Fragen findet der fromme Sinn des Verfassers gläubige Antworten. Selbst wer nicht mit ihm zu antworten wagt, wird doch mit ihm fragen wollen: „Wäre es möglich, daßein sich reorganisierendes Volk nicht auf das mehrta us en d j äh r ige Unterpfand seiner Dauer, die Kraft seiner Erhaltung unter den Völkern, das unschätzbare Instrument der Erziehung und nationalenDisziplinierung und Sammlung des Volkes zurückgreifen sollte?" Walter Fischel BILDENDE KUNST Juden als Edelschmiede Der Geograph Borchardt war den Weltkrieg über in der Türkei. Er hat besonders in Kurdistan die Gelegenheit ausgenutzt, um eine Sammlung Silberschmiedearbeiten zusammenzubringen, die in jeder Weise als wertvoll bezeichnet werden muß. Uns interessiert die Veröffentlichung und Sammlung ganz besonders. Wir haben hier zum ersten Male nicht nur neues ethnologisches Material vor uns, sondern auch eine Sammluijg jüdi-

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