Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Alexandre Weill
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 691 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Levinsohn: Saul 691 geworden, der sich vor den Kopf geschossen hätte. Glücklicherweise ist er nie an sich selbst irre geworden, und so war er glücklich in seinem Traum. Wir haben ihn nicht zu bedauern. Er hielt sich für den letzten der Propheten und lebte so, als ob die Pflichten eines Jesaia und Jeremia ihm oblägen. Solche Pflichten lädt man nicht auf sich, um einer Lüge zu dienen. Er ist ein Bild unseres Volkes, er, der die Wirklichkeit ausschaltete, weil sie den Traum zu vernichten drohte. JULIUS LEVINSOHN / SAUL Tn den Zelten des wandernden Israel wohnt das Recht, die Wüste ist X sein Element. In der Wüste steigt der Jude zum Helden auf: heiliger Krieg entbrennt. Die Hüften des Menschen sind gegürtet, der ewige Krieg stählt seine Kraft, seinen Glauben. Die naturarme Wüste schärft wandernden Stämmen die Sinne und reinigt sie, sie erzieht zum Denken, und die Vernunft weckt das Gewissen. Der Mensch erkennt seine Schwäche, und in seiner Hilflosigkeit ruft er Gottes Hilfe an. Und Gott verordnet den Zusammenschluß der Einzelnen zu einer Organisation mit dem Ziel gemeinsamer Abwehr gemeinsamer Gefahr. Diese Organisation lebt durch das Recht, dessen Sinn es ist, den Einzelnen zugleich zu binden und von dem Joch willkürlichen Zusammenlebens zu befreien. So wird Gott zum Gott des Rechts und der Mensch lebt, indem er gehorcht. Die Rechtsorganisation aber kann sich inmitten einer widrigen Welt nur im Kriege durchsetzen. So muß der Krieg für Gott geführt werden. Jetzt erscheint er als Kriegsgott, und der Krieg als ein heiliger. Im heiligen Kriege öffnet sich Israel den Zugang zu seinem Lande» wirft es die Kanaaniter zu Boden. Der Krieg ist tückisch und langwierig, aber der Gott der Heerscharen streitet für sein Heer, das die heilige Lade als Symbol des Bundes und des Rechts mit sich führt. Aber das Recht findet seine Schranke an der Macht, die im Boden ruht. In der Wüste war die Quelle alles Menschenlebens die Gesellschaft. Das Recht der Wüste war Gesellschaftsrecht. Im Lande aber ist der Boden Quelle eigner Macht, die sich nur der harten Arbeit Einzelner erschließt. Erst spät erkennen die Vereinzelten, daß doch wieder gemeinsame Organisation not tut, die dann aber nicht mehr die natürliche Einheit der Kampfesgemeinschaft, sondern die durch ein neues Recht hergestellte Friedensorganisation des Staates ist. Zunächst aber löst der Boden den Gesellschaftsverband der Eroberer. Die einheitliche Organisation der Stämme zerfällt. Die lokalen Bedürfnisse schaffen lokale Stammesgruppen. Und mit der Organisation des Kampfes und des Rechts zersetzt sich auph der Bund mit Gott. 44*