Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Kolonisationspolitik der Jewish Agency
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 673 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3101111-3101189-3101200-3108715--6561-3108739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
HERMAN GLENN/ DIE KOLONISATIONSPOLITIK DER JEWISH AGENCY i. Von Chaim Arlosoroff ist im Berliner Hitachdut-Verlag kürzlich ein Buch erschienen: „Die Kolonisationsfinanzen der Jewish Agency"; es wird hoffentlich, trotz der heute noch anders gerichteten Strömung, in dem vom Autor beabsichtigten Sinne einen Wendepunkt bedeuten. Hier, straff gekürzt, die hauptsächlichsten Gedanken, in denen auch die Vorarbeiten Anderer glücklich zusammengefaßt sind — die überaus treffenden polemischen Teile des Buches lassen wir unberücksichtigt. Der Zionismus bewegt sich in den letzten Jahren auf der Linie fortschreitender Liquidation. Die Legende von der Privatinitiative (Ruppin) muß für Palästina aufgegeben werden; denn einer gewissen Chance steht dort im allgemeinen ein übernormales Verlustrisiko gegenüber. Eine Kapitalpolitik der Jewish Agency, die sich (wie bisher) auf dje nationalen Spendenfonds aufbaut, ist nach den gewonnenen Erfahrungen für größere Ziele unzureichend. Die Kapitalaufbringung des Palästinaaufbaus wird so zu einem Kredit problem. Die innere jüdische Nationalanleihe ist dabei mit denselben Maßen zu messen wie jede sonstige Anleihe: sie darf keine „Rachmones"-Anleihe sein (Goslar). Die ökonomische Verwertung der erhaltenen Mittel müßte von vornherein derart fest fundiert, der Erfolg derart verbürgt erscheinen, daß die interessierten Kreise Vertrauen gewinnen und entsprechend viel zeichnen (Glenn)*). Der Gesamtwert der erfaßbaren nationalen Besitztümer beträgt heute im Minimum etwa zwölf Millionen £y womit ein Garantiefonds für die erste Anleihe gegeben wäre. Zwecks Erlangung eines hohen Emissionskurses könnte man einen Zinsfuß von 6,5 bis sogar 8 % (?) zubilligen, mit i % Amortisation also 7,5 — 9 %. Durch die Gründung einer von England zu genehmigenden Notenbank (Ruppin, Goslar, Wolff) könnten auf das Anleihekapital hin etwa doppelt so viele vollwertige Noten herausgegeben werden, wodurch der Zinsfuß (einschließlich Amortisation) für die Kreditnehmer der Jewish Agency auf durchschnittlich 4V2 % herabgedrückt werden dürfte2); selbst beim palästinensischen Getreidebau ist aber eine Verzinsung des Leihkapitals mit 6 % (?) noch tragbar, in der Plantagenwirtschaft werden sogar 10—20 % erreicht. In den wenigen unwirtschaftlichen ersten Jahren *) Pro domo sei hier gesagt, daß Referent 1919 ins Einzelne gehende Pläne für die Aufbringung und Verwendung der Nationalanleihe ausgearbeitet hat; die Ablehnung des Anleihegedankens durch die bestimmenden Instanzen ließ in der Folge von einer Veröffentlichung absehen. a) Die Wichtigkeit dieses Gedankens heben wir noch besonders hervor. Haft 12 43