Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Kritische Übersicht über die neuere Literatur
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 672 (sequence 6)
- Language
- German
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672 Umschau: Bibelwissenschaft König, sondern: wahrhaftig, er ist unser König, In der letzten Anmerkung S. 339 heißt mejuchas nicht: „ins Geschlechtsregister eingetragen", sondern: von legitimer (edler) Geburt. Was er zitiert, steht weder „Quidduschin 70 b" noch ,,Sche3|Sth rabba cap. 19" und stünde es an letzterer Stelle, so wäre eineprimärere anzuführen. Zum Schluß folgt noch eine Aussprache über Weissagung und Erfüllung, und wie billig endet sie mit dem Satze: die Sonne aber, die in der Geschichte des Reiches Gottes den von der Weissagung angekündigten neuen Tag wirklich h e r au f ge f ü h r t hat, ist „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" (Hebr. 13, 8). ehester CharltonMc. Cown: The Testament of Solomon1). Dem jüdischen, christlichen und islamischen Volksglauben des ganzen Mittelalters galt König Salomq als ein mächtiger Zauberer, dem kraft seines magischen Ringes und Siegels die Geister und Dämonen Untertan waren, eine Vorstellung, die mindestens bis auf die vorchristlichen Essäer zurückgeht, während die Ursprünge dieser „Wissenschaft" der Magie ohne Zweifel bis in das ägyptische und babylonische Altertum zurückreichen. Ein äußerst lehrreiches Dokument dieser frühkabbalistischen Winkelliteratur ist das sogenannteTestament Salomos in griechischer Sprache. Die Zeit seiner Abfassung ist ungewiß, sicher ist nur, daß es aus nachchristlicher Zeit stammt; mit dem dritten oder vierten Jahrhundert dürfte es nicht zu spät angesetzt sein. Es erzählt, wie Salomo, oder vielmehr Salomo selbst erzählt, wie ihm Gott gelegentlich des Tempelbaues durch den Erzengel Michael einen Ring mit einem kostbaren geschnittenen Stein verliehen habe: „Nimm ihn, Salomo, Sohn Davids, als ein Geschenk des Herrn» des höchsten Gottes Sabaoth und indem du dieses Siegel Gottes trägst, wirst du alle weiblichen und männlichen Dämonen gefangen nehmen und (den Tempel zu) Jerusalem aufbauen." Das geschieht denn auch; durch den Ring bezwungen, müssen die mächtigsten Geister und Dämonen z. B. Ornias, Beelzebub, die Onoskelis, Asmodaios vor ihm erscheinen, in längeren oder kürzeren Unterredungen werden sie ausgefragt und bekommen dann eine Arbeit *) XII u. 136 u. 166 S. Leipzig J. C. Hinrichs 1922. (Unt&ss. z» N. T« herg. v. H. Windisch, Heft 9). Grundpreis 5 M. beim Tempelbau zugewiesen. Dieser Teil geht noch an, das Weitere wird immer läppischer und einförmiger, wenn z. B. sämtliche 36 „Elemente" antreten und nacheinander Name, Funktion und Stichwort angeben müssen z. B. (18, 4 ff.). So: „Und ich, Salomo, rief den ersten Geist heran und sprach zu ihm: wer bist du? — Ich bin der erste Dekan des Tierkreises und heiße Ryax, ich verursache die Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. Wenn ich nur höre: „Michael, schließe Ryax ein!" so weiche ich sofort. Der zweite sagte: ich-heißeBarsaphael, ich verursache den Menschen, die in meiner „Stunde" liegen, Migräne. Wenn ich höre: „Gabriel, schließe Barsaphael ein!" so weiche ich usw." In einer späteren Fassung (Rezension C) treten sogar 51 Dämonen auf, von denen jeder ein wirksames Rezept angibt. Die Berührungen mit den Beschwörungen und geheimnisvollen, in Wirklichkeit ganz sinnlosen Formeln und magischen Rezepten der Zauberpapyri liegen auf der Hand. Das für die Geschichte des Aberglaubens, namentlich insofern er sich an die Person Salomos knüpft, wichtige Buch war (nebst der verwandten clavicula Salomonis) bereits in älteren Ausgaben (Fleck, Fürst) bekannt, auch schon ins Deutsche und Englische (von Conybeare) übersetzt: Kohler im Artikel Demology der Jewish Encycl. und Salzberger in der Dissertation; „Die Salomosage in der semitischen Literatur (1907)" u. a. haben ihnen verdiente Aufmerksamkeit zugewandt Nunmehr beschert uns Mc Cown nach langen und sorgfältigen, zuerst auf die Auffindung und Untersuchung der Handschriften in verschiedenen Ländern gerichteten Vorarbeiten eine wissenschaftlich mustergültige Ausgabe. Sie besteht aber nicht bloß in der Herstellung und Mitteilung des Textes und seiner verschiedenen Rezensionen nebst reichlichen Indizes, sondern in einer gründlichen Einleitung, die auch über den Ideengehalt, die Quellen und geschichtlichen Zusammenhänge mit Kennerschaft und gutem Urteil orientiert. Wenn man das auf S. 101 abgebildete „Siegel Salomos", betrachtet, liest man vielleicht mit deutlicherer Vorstellung die Beschwörung des Pudels in Goethes Faust: „Für solche halbe Höllenbrut ist Salomonis Schlüssel gut." — Lobend erwähnt werden muß auch der bei der vorzüglichen Drucksaustattung verhältnismäßig niedrige Grundpreis. B. Jacob, Dortmund Für die Redaktion verantwortlich: Dr» Emst Simon, Frankfurt am Main Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julius Beltz in Langensalza