Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Bücheranzeige [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 667 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3101111-3101189-3101199-3108581--6551-3108704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Umschau: Bibelwissenschaft 667 des Vorworts einzugehen, nach der man sich fragen muß, was denn eigentlich nicht in diese Sammlung gehören könne, müssen wir gestehen, daß selten eine solche Fülle interessanter, bedeutungsvoller Dokumente irgendwo vereinigt wurde: Memoiren, Daten über die Juden im Weltkriege, folkloristische Studien, Gemeindedokumente, Chassidica (darunter 2 Briefe des Beseht und einer des Raw von Ladi Schneur Salman), Briefe des Herausgebers des „Hammagid", Silbermanns, E. M. Dicks, K.Schulmanns, Gottlobers, Mendeles, Lilienblums, dessenTagebü eher usw. Den Schluß bildet Rubaschows Neuausgabe der von den Bibliographen ungekannten oder verkannten Schrift „Schaalu sch'lom Jerusolajim"1) des R. Gedalja aus Semjatitschi, eines Teilnehmers der verunglückten Expedition des R. Jehuda Hachassid nach Palästina (1699), der sich unter der an den ,,Waad arba arazoth"2) von den im Lande Zurückgebliebenen entsandten Delegation befand und eine anschauliche Schilderung der damaligen Verhältnisse Palästinas verfaßte. Dieses Werk dürfen Verlag und Herausgeber sich als Ruhmesblatt anrechnen. Josef Meisl BIBELWISSENSCHAFT Kritische Übei sieht über die neuere Literatur3) Die Schriften des Alten Testaments in Auswahl neu übersetzt und für die Gegenwart erklärt. . . 1. Abteilung: Die Sagen des Alten Testaments, 1. Bd. Die Urgeschichte. Die Patriarchen von HermannGunkel, 2. Bd.: Die Anfänge Israels von Hugo Gre ßmann4). Noch weit durchgreifender und konsequenter als die in unserer letzten Übersicht angezeigte neueste Auflage der Kautzschen scher und folkloristischer Denkwürdigkeiten, Verlag Moriah. (Der Band ist in Odessa zum Drucke vorbereitet und in Tel-Aviv gedruckt worden.) 1) Suchet das Heil Jerusalems! 2) Vierländerrat. 3) Vgl. Heft 7/8 dieses Jahrgangs. , 4) X u. 310 S. — VIII, 284 u. 12 S. mit einer Karte von Palästina. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Aufl., 1921 u« 22, Grundpreis je 5 M. geb. 7 M. Übersetzung unternimmt es dieses Werk, dem vielumworbenen „ Gebildeten'* unsere heiligen Schriften in einer dem modernen Geschmack und Bedürfnis entgegenkommenden Form darzubieten und ihn zum wissenschaftlichen Verständnis des Alten Testaments im Sinne der herrschenden gelehrten Meinungen zu erziehen. Dem entsprechend wird zunächst nicht das ganze A. T., sondern nur eine Auswahl gegeben. Und diese liest man nunmehr nicht in der Ordnung der biblischen Bücher, Kapitel und Verse, sondern in dem Zusammenhang und der Reihenfolge der von der Kritik „ermittelten" Quellen: J, E, P usw. So beginnen bei Gunkel Bibel und Genesis nicht mit ci, sondern mit c2, der Paradiesgeschichte, denn dies ist der Anfang der Urgeschichte bei J, dem als dem älteren Quellenwerk der Vortritt gebührt. Erst dann kommt die Urgeschichte von P und ebenso wird es mit den „Sagen" von den Erzvätern gehalten. Auf diese Weise hat man z. B. vom siebenten Kapitel die ersten fünf Verse auf Seite 78—80, den nächsten auf S. 121—125, den nächsten auf S. 79— 81, 121, die beiden nächsten S. 121, den nächsten S. 79 usf. zu suchen; im Ganzen müßte man, um die Übersetzung dieses einen Kapitels beisammen zuhaben, 21 mal hin und her blättern, und ähnlich ist es mit fast jedem anderen Kapitel. Vorangeht eine ausführliche Einleitung: die Entstehung der fünf Bücher Mosis — die Sagen des ersten Buches (S. 1—51). Der Übersetzung jedes Stückes folgt eine mehr oder weniger eingehende Würdigung. Für denjenigen, der Gunkels zuerst 1901, in vierter Auflage 1917 erschienenen Kommentar zur Genesis kennt, bietet dieses Werk nichts Neues. Es ist mit Weglassung alles gelehrten Beiwerks meist, selbst bis auf den Wortlaut, einfach der Genesiskommentar, der sich ja selbst schon eben so sehr an den Laien wie an den Studierenden und Forscher gewandt hatte. Er hat seinerzeit Epoche gemacht und gewissermaßen eine neue Schule begründet. Ohne die Ergebnisse der mit Astruc beginnenden, mit Wellhausen ihren Höhepunkt erreichenden Literarkritik abzulehnen, will die neue Betrachtungsweise das Hauptgewicht auf die stoffgeschichtliche Forschung, auf vergleichende Religions- und Literaturgeschichte legen. Sie will nicht mehr bloß das Musiv der Verse wieder auseinandernehmen, sondern das Gespinst der Gedanken entwirren und jeden Faden sozu-