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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 618

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
618 (sequence 28)
Language
German
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6i8 Hermann Cohen: und sozialistischen Strebungen und daß man nur durch einen Kampf in beiden Richtungen die Frage der Gegenwart und Zukunft der jüdischen arbeitenden Massen zur Lösung bringen könne, formulierte ein Teil der jüdischen Arbeiterschaft in Rußland das Programm des proletarischen Zionismus und gewann dadurch nicht nur großen Einfluß auf das jüdische gesellschaftliche Leben in Rußland, sondern drängte auch den „Bund" in seiner Stellungnahme zu den jüdischen Fragen auf andere Bahnen. Somit eröffnet die Entstehung des proletarischen Zionismus in der Geschichte des jüdischen Sozialismus eine neue Epoche. HERMANN COHEN / DAS SOZIALE IDEAL BEI PLATON UND DEN PROPHETEN Aus dem Nachlaß.1) Piaton und die Propheten sind die beiden wichtigsten Quellen der modernen Kultur überhaupt. Aber wie alle Quellen der Kultur, enthalten auch sie schon fremde Aufnahmen. Diese sind jedoch von ihrer einzigartigen Ursprünglichkeit bewältigt und aufgesogen. Man darf beide als einzig dastehende Beispiele geschichtlicher Originalität bezeichnen. Im sozialen Ideal sind als die beiden Grundbedingungen vereinigt: die wissenschaftliche Erkenntnis und die als Religion stabilisierte Sittenlehre. Piaton ist und bleibt das Symbol der ersten, die Propheten das der zweiten Bedingung. Die Wissenschaft greift über das Naturproblem hinaus in das Gebiet der Sittlichkeit hinüber. Daher mischen sich bei Piaton schon Motive der Religion mit denen der Wissenschaft. Und auch die Propheten können bei ihrem Innenblick auf das Wesen der Sittlichkeit des Umblicks auf die Menschenwelt sich nicht entschlagen. Daher können sie der menschlichen Erkenntnis nicht ganz entsagen, obschon sie deren Sachgebiet auf die Menschenwelt einschränken. Aber während Piaton die Ethik in den Bannkreis der Erkenntnis hineinzieht, bleibt den Propheten das Gebiet der Wissenschaft fremd. Von der gesamten Natur interessiert sie nur die Natur des Menschen. In diesem Umriß bleiben die beiden Grundbedingungen der sozialen Kultur nur im schroffen Gegensatz stehen, ohne Wechselwirkung, beinahe!) Dieser Vortrag Hermann Cohens — der letzte, den er gehalten hat — ist im Einvernehmen mit den Herausgebern der dreibändigen Sammlung seiner jüdischen Schriften entnommen, die als Veröffentlichung der Akademie für Wissenschaft des Judentums (Verlag von C. A. Schwetschke u. Sohn) vorbereitet wird und außer einer nahezu vollständigen Vereinigung aller schon gedruckten jüdischen Reden, Vorträge und Aufsätze Cohens auch eine Reihe bisher ungedruckter Arbeiten aus dem NachlaB enthalten wird.

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