Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Kongressnotizen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 581 (sequence 12)
- Language
- German
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Oskar Karbach: Die Juden als konservatives Element 581 Andererseits soll aber der Weizmannsche Plan nicht anders denn als Versuch angesehen werden, abei eben als ein Versuch, um die Zionistische Organisation in größerem Maße, als es bis jetzt geschehen konnte, von den alten Wegen der Propaganda auf die neuen Wege der konkreten Tat hinüberzuführen. Darin liegt sein Wert. Wird auch dieser Versuch mißlingen, wird die Zionistische Organisation trotz allem allein gelassen werden, so wird die Erkenntnis bleiben, daß nur das Beispiel und die Tat, nur die konkrete palästinensische Arbeit die Bewegung aus der politischen Krise herausführen können und daß nur sie das weitere Vordringen der Zionsidee in die jüdischen Volksmassen möglich machen. OSKAR KARBACH / DIE JUDEN ALS KONSERVATIVES ELEMENT Die Unfertigkeit des zionistischen Weltbildes findet ihre beste Entschuldigung in dem kurzen Zeitraum, den unsere Bewegung hinter sich gebracht hat. Die Ereignisse des politischen Lebens mögen sich überstürzen, zur Ausreifung und Klärung bedarf es der gestaltenden Kraft der Jahre, bedarf es vor allem der Sammlung, die uns die Wirren des Augenblicks nicht finden läßt. Doch schreiten wir zweifellos zur Warte einer weitreichenden und tiefblickenden Betrachtungsweise empor: als auf einen sinnfälligen und erfreulichen Beweis dafür sei auf die Umstellung der zionistischen öffentlichen Meinung in der Araber frage hingewiesen; die kleine verantwortungsfreudige Minorität, die, verketzert und angefeindet, vor vier, ja noch vor drei Jahren die Wichtigkeit dieses Problems und seine Lösungsmöglichkeit durch friedliche Obereinkunft tauben Ohren predigte, genießt heute die Befriedigung, ihre Ansichten in offiziellen Publikationen der Zionistischen Organisation begrüßen zu können. Die Bearbeitung anderer Gebiete im national-jüdischen Sinn hat dagegen noch weniger Fortschritte gemacht; dort stehen wir noch mitten in den' uns überkommenen Ansichten der Assimilationsperiode; dort gilt noch — mit welch ungünstigen Wirkungen, ist leicht erkennbar — der Satz, daß unsere Bewegung supplementär, dort, wo Eigenes noch ttiangelt, bei der Geisteswelt der ihr entgegengesetzten leihte. Das gilt in erster Reihe von dem Bilde, das wir uns von den Funktionen der jüdischen Gemeinschaft nach außen hin machen, wo die Befangenheit in überlieferten Dogmen im Verein mit tief wurzelnder Abneigung vor der Preisgabe liebgewonnener Lebenswerte uns zu keiner neuen Tönung hat kommen lassen. .Unsere Ansichten über Gegenwart und Zukunft unserer Beziehungen zur Umwelt, wie deren Urteil selbst unterscheiden sich nicht Wesentlich von denen der Assimilation und über das Assimilationsjudentum. So fehlt die wichtigste Voraussetzung einer national-jüdischen Politik mit geschlossenem, allgemeiner Anerkennung würdigem, in die Zukunft vorausblickendem Programm.