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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 570

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Kongressnotizen
Date
1923-01-01
Page
570 (sequence 1)
Language
German
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570 Moses Beilinson: MOSES BEILTNSON / KONGRESS. NOTIZEN Die neue politische Konstellation im nahen Osten, die arabisch-palästinensische Frage, die inneren Organisationsprobleme, sogar die Fragen des unmittelbaren wirtschaftlichen Aufbaus, die inneren Fraktionsreibungen — alles dies ist auf dem 13. Kongreß in die zweite Linie hinter die Fragen der Leitung und der Jewish Agency zurückgetreten, die beide so zusammengeflochten erschienen, daß Persönliches und Prinzipielles an ihnen manchmal nicht zu unterscheiden war. Das gab dem Kongresse sein eigentümliches, nicht sehr anziehendes Gepräge. Zwei Wochen hindurch waren die Delegierten, die aus allen von Juden bewohnten Ländern herbeigeeilt waren, fast vollständig von persönlichen Fragen beherrscht, richtiger von der einen persönlichen Frage: verläßt Dr. Weizmann seinen Präsidentenposten oder behält er ihn weiter? Deshalb war der 13. Kongreß kaum ein „schwerer, aber kein schlechter Kongreß", wie ihn Sokolow in seiner Schlußrede mit dem Satze, der programmatisch geworden zu sein scheint, kennzeichnete. Es war entschieden kein guter Kongreß, und man soll wünschen, daß solche Kongresse, wo die wichtigsten Fragen des Aufbaus und auch der Politik von persönlichen Fragen überschattet werden, wo die Delegierten trotz der wochenlangen Vorbereitung bis zur letzten Stunde des Kongresses die Entschlossenheit und den Mut nicht aufbringen können, um klar und unzweideutig zwischen zwei Wegen, die vor ihnen stehen, zu wählen, man soll wünschen, daß solche Kongresse sich nicht mehr wiederholen. Während der Tagung hatte man oft die ganz deutliche Empfindung, daß etwas Entscheidendes im Zionismus vorgehe, daß etwas absterbe, was doch seinerzeit allen sehr teuer war. Wer weiß, ob das Neue schon genügend groß geworden ist, um das Alte zu ersetzen. Ich glaube kaum, daß ein Delegierter oder Zuschauer (der Schreiber dieser Zeilen gehört zu den letzten) da war, der ohne ein drückendes Gefühl der schweren, nicht ganz überwundenen Krise von Karlsbad wegfuhr. Trotz alledem aber war es ein notwendiger Kongreß. Wenn es richtig ist, daß die persönliche Frage von Weizmanns Verbleiben die ganze Kongreßarbeit überschattete und daß ihr von beiden Seiten, von der Opposition und von Weizmann selbst, eine bittere leidenschaftliche Note beigegeben wurde, so ist anderseits nicht zu verkennen, daß diese Frage für die Organisation wirklich von großer Tragweite ist. Die überragende Persönlichkeit Weizmanns beherrscht schon seit einigen Jahren die ganze zionistische Arbeit und zwar nicht nur die politische, sondern auch die finanzielle. Der außerordentliche Einfluß, den dieser Mann auf englische politische Kreise und, was für uns vielleicht von viel größerer Bedeutung ist, auf breite jüdische, keineswegs nur auf zionistische Kreise ausübt, die politische Intuition, die ungebrochene Arbeitskraft, die unerschöpfliche Leidenschaft, die er in seine Arbeit hineinlegt, die Fähigkeit sich an veränderte Umstände schnell anzupassen, machen aus Weizmann

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