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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 561

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Der dreizehnte Zionistenkongress und die Zukunft des Zionismus
Date
1923-01-01
Page
561 (sequence 1)
Language
German
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NAH UM GOLDMANN / DER DREI, ZEHNTE ZIONISTENKONGRESS UND DIE ZUKUNFT DES ZIONISMUS1) A-rf Kongressen. Der einen gehören jene an, deren Bedeutung in ihnen selbst beschlossen ist; Kongresse, die durch ihren Verlauf und bestimmte Momente ihrer höchsten Steigerung allen, die sie miterlebt haben, unvergeßlich geblieben sind, und so indirekt auch ihre Wirkung auf die große zionistische Öffentlichkeit ausgeübt haben. Es sind dies die sogenannten „schönen" Kongresse, erhebend in ihrem Verlauf, begeisternd in ihren Höhepunkten, geschlossen und imponierend in ihrem ganzen Aufbau. Daneben gibt es eine andere Art von Kongressen, deren Bedeutung nicht in ihnen selbst als selbstständigen Ereignissien liegt, sondern lediglich in der Wirkung, die sie auf die Entwicklung des zionistischen Lebens ausüben; Kongresse, die, losgelöst von dem Gesamtverlauf der zionistischen Entwicklung, bedeutungslos wären; nüchtern, prosaisch, alles andere als schön, oft sogar beklemmend und enttäuschend in ihrem Verlauf, deren Bedeutung aber nicht minder groß, häufig noch größer ist als die der Kongresse der ersten Art, sobald man die Kraft berücksichtigt, die sie ausgelöst, die Bewegungen, zu denen sie den Anstoß gegeben haben; Kongresse, deren Bedeutung nicht ästhetischer, sondern historischer Natur ist, als bedeutsame Ausgangspunkte neuer Strömungen, als histoiische Marksteine zionistischer Entwicklung. Der dreizehnte Kongreß zählt zu dieser zweiten Kategorie. Er war kein t,schöner" Kongreß. Schwunglos in seinem Anfang, ohne jede Begeisterung bei seinem Abschluß, unbedeutend in seinen- Plenardebatten^ denen, von geringen Ausnahmen abgesehen, jedes höhere Niveau und jede weite Perspektive fehlte, war sein gesamter Verlauf schleppend, träge und enthielt nichts, was den Zuhörer oder den Durchschnittsdelegierten hätte begeistern oder erheben können. Er hatte nicht einen einzigen sogenannten „historischen" Augenblick; und die ein oder zweimal, wo man versuchte, solche Szenen zu arrangieren, war das Arrangement denkbar unglücklich, und die Szenen fielen dementsprechend sehr blamabel aus. Es fehlte ihm das Freie, Gelöste, Schwungvolle, das so manche andere Kongresse ausgezeichnet hat; er stand von vorneherein unter einem starken Druck, der bis zuletzt nicht von ihm wich, und die Spannungen, Konflikte und dramatischen Momente, an denen er reich war, vollzogen sich alle hinter den Kulissen, *) Da die Frage der Jewish Agency auf dem letzten Kongreß zu einer deutlichen Parteiung geführt hat, schien es uns richtig, in den folgenden Aufsätzen Nahum Goldmanns und Moses Beilinsons beide Seiten zu Worte kommen zu lassen. Zionismus zwei Arten von Heft 10/11. D. Red. 36

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