Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Jüdische Archäologie und jüdische Kunstwissenschaft
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 545 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erich ToepUtz: Jüdische Archäologie und jüdische Kunstwissenschaft 545 ERICH TOEPLITZ / JÜDISCHE ARCHÄOLOGIE UND JÜDISCHE KUNSTWISSENSCHAFT (Eine Mahnung zur Vervollständigung unserer Kenntnis der jüdischen Vergangenheit.) Das wachsende Material und die größere Differenzierung zwingt die Wissenschaft häufig, Nebenwissenschaften als mehr oder minder selbständige Gebiete zu behandeln. Jeder Seitenpfad der Gelehrsamkeit führt dieser selbst Neues, Anregendes und Ergänzendes zu und wird, wenn er überhaupt erst in den Gesichtskreis der wissenschaftlichen Welt gerückt ist, Interesse finden. Ist aber jeweils eine andere Wissenschaft mit einem anderen Arbeitsfeld und anderen Angriffspunkten und -interessen tätig, so muß die Nebenwissenschaft dabei verkümmern. Sie wird genötigt sein, nach verschiedenen Methoden und je nach Bedarf, also unsystematisch und sporadisch zu arbeiten, und unter diesen Umständen läuft sie Gefahr nie etwas Abschließendes zu bieten, zu alten Fehlern und Halbwahrheiten neue . Irrtümer hinzu zu fügen. So kommt die Nebenwissenschaft in den Ruf einer Afterweisheit, die gründlich zu betreiben sinnundzwecklos sei, bis die Beschäftigung mit ihr von den ersten Dilettantereien gereinigt, und die Bedeutung des neuen Arbeitsgebietes erkannt ist. Die erste Entwicklungsstufe muß die jüdische Kunstforschung erst überwinden, sie muß aufhören ein Tummelplatz geschwätziger Journalisten, alberner Dilettanten und ein Anhängsel an alle möglichen wissenschaftlichen Arbeitsgebiete zu sein. Gelegentlich führten Kunstgeschichtler und Archäologen, leider auch Philologen und Theologen ihre Arbeiten bis ins Gebiet der jüdischen Kunstdenkmäler, und was noch viel verhängnisvoller war: jeder federgewandte Jude glaubte ohne weiteres imstande zu sein, sich der jüdischen Kunstforschung in Wort und Schrift anzunehmen. Erfreulich sind mit seltenen Ausnahmen nur die Abbildungen der Kunstdenkmäler, während die Textbeilagen entweder ganz oberflächlich oder voller Irrtümer sind. Es ist hier nicht der Ort eingehend zu werten, aber es muß bald einmal eine kurze Bibliographie der jüdischen Kunstliteratur mit Angaben über die Brauchbarkeit der Bücher entstehen. Vor allem ist es nötig an Stelle der Gelegenheitsarbeit, eine systematische und kontinuierliche Beschäftigung mit den jüdischen Kunstdenkmälern zu setzen. Durch die Erforschung des gegenständlichen Teils der jüdischen Kultur wird ein vollständigeres und in vieler Beziehung auch ein reizvolleres Bild der jüdischen Vergangenheit entstehen, als es schriftliche Aufzeichnungen allein Jf^jtteln können. Neben die Arbeiten der Philologen, die bisher allein die jüdische Wissenschaft als ihre Domäne betrachteten, muß die Arbeit Heft 9. 3 c