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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Zwei Eiferer
Date
1923-01-01
Page
528 (sequence 12)
Language
German
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528 Heinrich Berl: Die Wiederhers tellbarkeit der althebräischen Vokalmusik Als ich in Daganiah war, ging ich gegen Sonnenuntergang aufs Feld und fand dort eine Gruppe von Leuten der Farm, die mit dem Jäten des Indschie beschäftigt waren. Dieses Unkraut, das das Mark des Bodens aussaugt, verbreitet sich unsichtbar nach allen Seiten, so daß eine unendliche Geduld dazu gehört, den schädlichen Wurzeln, die sich unterirdisch oft über ganze Duname ausdehnen, nachzuspüren und ihrer verheerenden Wirkung endlich Einhalt zu tun. „Das war die Arbeit, die Gordon am liebsten hatte* sagte mir einer der jungen Leute, „Mit dem Ausjäten des Indschie konnte er ganze Tage verbringen, wenn er ihm mit seinen mageren Fingern nachspürte, und sie bis auf die letzte Wurzel vernichten wollte". — Das Indschie war ihm vielleicht ein Symbol jenes Parasitentums, gegen das er sein Leben lang mit voller Kraft gekämpft hatte» Wie bei all seiner erzieherisch-schöpferischen Tätigkeit, so wollte er auch hier das Übel unseres Volkes bis zur letzten Wurzel ausrotten: das Nichttun. Übersetzt von F. G. HEINRICH BERL/ DIE WIEDERHERSTELLBARKEIT DER ALTHEBRÄISCHEN VOKALMUSIK i. Vor kurzem war im „Figaro" die aufsehenerregende Nachricht zu lesen; daß Raoul Ginsburg, ein jüdisch-russischer Musiker, nach jahrelangem Bemühen die Originalmelodie zu Salomos „Hohem Lied" entdeckt habe. Ginsburg habe einmal den Kantor der Synagoge zu Kowno die seltsame Melodie singen hören und sei sofort davon erfaßt worden. Seine Untersuchungen haben ihm dann gezeigt, daß die Synagoge zu Kowno eine Bibelhandschrift besitze, die über dreitausend Jahre alt sei, also aus der Zeit des Königs Salomo selbst stamme. Eifrige Studien und Versuche haben ihn schließlich darauf gebracht, aus den Vokalzeichen der hebräischen Schrift nicht nur die Melodie zu rekonstruieren, sondern auch ein Tonsystem, das dem der Griechen und Römer durchaus entspreche. Die Melodie selbst ist noch nicht bekanntgegeben. Daß sie ganz gewiß eigenartig ist, beweist die Tatsache, daß sie in derselben Synagoge schon vor Jahren sowohl Rimsky-Korsakow als auch Mussorgsky aufgefallen ist, und daß Rimsky-Korsakow eines der Motive zu einem hindostanischen Gesang in seiner „Sadko" verwendet hat. Über das von Ginsburg entdeckte Tonsystem läßt sich der „Figaro" wenigstens mit einigen Andeutungen aus: Die Skala setzt sich gleich unserer diatonischen Leiter aus sieben Tönen zusammen, hat aber nur drei Kreuze für sol, la und do. Vermutlich läßt

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