Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 497

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Die Völker und die Juden
Date
1923-01-01
Page
497 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3101111-3101189-3101198-3108480--6351-3108500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ALFONS PAQUET / DIE VÖLKER UND DIE JUDEN1) Der gesunde Menschenverstand hat seine eigene Methode, über das jüdische Problem zu sprechen. Sie geht davon aus, daß die jüdische Beteiligung im Geldwesen, in den Literaturen und in den künstlerischen Dingen der Völker zuweilen wie eine fünfzigprozentige erscheint, während der jüdische Anteil an den Bevölkerungen ein Prozent oder weniger ist. Diese Tatsache hat in den Ländern, deren schicksalsmäßige Verbundenheit mit dem Judentum von jeher eine starke war und deren staatliche Idee jetzt in der Umbildung begriffen ist, auffällige Formen angenommen; sie ist in den Ländern des deutschen und des slawischen Bereiches akut. Dennoch kann man sich nicht an die Formen halten, unter denen das Judentum bei diesen Umwälzungen auftritt. Der jüdische Anteil an der russischen Revolution ist beträchtlich, er ist aber bei der Gegenrevolution kaum geringer, und in der kommunistischen Partei Englands zum Beispiel, die doch eine Schwesterpartei der russischen ist, sind fast keine Juden. In Schweden ruht die germanistische Wissenschaft fast ausschließlich in den Händen jüdischer Professoren;, findet man in Deutschland noch da und dort eine lutherische Kirchengemeinde, die auf sozialen Gebieten lebendig ist, so wird man unter ihren Mitgliedern nicht selten Männer von jüdischer Abkunft entdecken. Der gesunde Menschenverstand ist für fair play, und er würde es für lächerlich erklären, zu verlangen, daß sich der Einfluß der Juden im geistigen Leben der Völker auf das Maß beschränken solle, das ihrer Zahl entspricht. Selbst die Polizeimacht des kaiserlichen Rußland war nicht imstande, diese Forderung, die zur Maxime der Regierung geworden war, aufrecht zu erhalten. Auch die Quäker haben ja seit Jahrhunderten auf die kulturelle Geschichte Englands und Amerikas einen Einfluß gewonnen, der über ihre geringe Zahl weit hinausgeht Dort ist eine Gruppe von Menschen zu Trägern einer Aktivität geworden, die nicht nur aus sich selber auf die Haltung der Umwelt einwirkt, sondern auch in eine passive Bereitschaft dieser Umwelt eingreift. So gilt auch von den Juden der Satz, daß sie ihren Einfluß zwar immer wieder durch den ganzen Einsatz ihres Wesens gegen die Umwelt aufrecht erhalten, aber auch durch die Bereitschaft dieser Umwelt, ihn aufzunehmen. Die Gefaßtheit der Juden, die Durchsetzung ihres Wesens in der äußeren Welt immer wieder durch Leiden und Opfer erkaufen zu müssen, ist ihre fortwirkende Disposition; sie stellt uns vor die Frage, wie denn eines Tages die Dinge aussehen werden, wenn nun dieser Prozeß der Einflüsse auf den Gebieten der sozialen Macht sich bis zu ihrem vollen Durchbruch fortsetzt. Wird es vorher ein Abbiegen . l) Wir hoffen, mit diesem Beitrag eine Reihe von Aufsätzen einleiten zu können, die sich, von verschiedenen Seiten her, vor allem auch durch Meinungsäußerungen a e u % s c nc.Hristlicher Intellektueller, mit den Grundfragen des Zionismus aufs neue auseinandersetzen. Red. Heft 9. 32

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.