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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Kritische Übersicht über die neuere Literatur [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
489 (sequence 5)
Language
German
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Umschau: Jüdische Wissenschaft Sühneopfer für seines Volkes Schuld, den Gott nun aber aus dem Tode erlösen will." Daß in der Klage um ihn geradezu jedes Wort auf die Gestalt Moses, wie sie in der prophetischen Tradition lebte, zutrifft, scheint S. ganz unleugbar zu sein. Der Gedanke einer Wiederkehr des Mose ist Deuterjesajas ureigenster Besitz. Hier ist die Wurzel des neutestamentÜchen Heilands- und Erlöserglaubens. Was wir sonst an Moseüberlieferung besitzen, sei in die judäische, levitische und ephraemitische Tradition zu scheiden (S. 125 ff.), die der Nachwelt ein entsetzlich verzeichnetes Bild des priesterlich-jüdischen Gesetzgebers überliefert haben. Denn das jüdische Volk habe den großen Mann nie verstanden und sei ihm innerlich nicht nur fremd geblieben, sondern habe sich unter der Führung seiner Priester mit jedem Jahrhundert weiter von ihm entfernt, und alle, die es bestimmen wollten, auf den hinzublicken, den es durchbohrt hatte, seien Prediger in der Wüste geblieben. Aber er habe nicht umsonst gelebt, denn was er und seine Schüler, die Propheten verkündet, das habe ein Evangelium eine neue Auferstehung gefeiert usw. Es ist nicht schwer, solchen Aufstellungen ein nur ephemeres Dasein zu weissagen. Ihr Wert liegt in dem Widerspruch, zu dem sie reizen. B. Jacob, Dortmund JÜDISCHE WISSENSCHAFT Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums steht am Ende des vierten Jahres ihrer Arbeit. Auch unter weniger schwierigen äußeren Verhältnissen als denen der letzten Jahre könnte in dieser Zeit ein Unternehmen mit so weit gesteckten Zielen wie die Akademie nicht über die Anfänge seiner Arbeit hinaus sein. Ein Bericht über die Akademie 'wird sich in diesem Stadium nicht auf ihre fertigen Leistungen beschränken dürfen, sondern vor allem ihre Idee deutlich zu machen haben. Aus welchem Geist der Gedanke der Akademie erwachsen ist, läßt schon ein kurzer Überblick über ihre äußere Entstehungsgeschichte erkennen. Der Plan einer solchen Akademie stand im Mittelpunkte des jüdischen Bildungsprogramms, das der junge Historiker und Philosoph Franz Rosenzweig im Jahre 1918 unter dem Titel „Zeit ists" in einem offenen Brief an Hermann Cohen entwickelte. Sie sollte nicht nur der Forschung, sondern dem jüdischen Leben dienen, indem sie die unserem Bewußtsein immer mehr entschwindende „jüdische Welt" der jungen Generation wieder anschaulich und faßbar machte. Hermann Cohen, in dem die Idee des Judentums und die Idee der Wissenschaft zu untrennbarer Einheit verbunden waren, griff diesen zentralen Gedanken der Schrift mit dem ganzen Enthusiasmus seiner mächtigen Persönlichkeit auf, und der Gedanke, durch Erneuerungder jüdischen Wissenschaft der Erneuerung des Judentums zu dienen, wurde ihm zu dem Vermächtnis, das er dem deutschen Judentum hinterlassen wollte. Mitten in den Vorarbeiten für das neue Werk starb er. Der Tatkraft seines treuen Mitarbeiters Gustav Bradt gelang es, die Arbeit fortzuführen und einen neuen Führer für sie in Leopold Landau zu gewinnen, unter dessen Leitung im Frühjahr 1919 der die Akademie tragende Verein in Berlin gegründet wurde. Die ersten Männer des deutschen Judentums stellten sich in den Dienst der neuen Schöpfung und, nachdem ihr auch Landau entrissen worden war, trat August von Wassermann an ihre Spitze. Der wissenschaftliche Organisator der Akademie wurde der Historiker Eugen Täubler. Auch ihn brachte der Akademie die Überzeugung nahe, durch die Wissenschaft dem lebendigen Judentum dienen zu können, das. er vor allem im nationalen Sinne verstand. Den Weg zu diesem Ziele sah er darin, die Erforschung des Judentums energischer als bisher im Sinne der strengen Methodik zu betreiben, die er auf seinem hauptsächlichsten Arbeitsgebiete, der alten Geschichte, zu handhaben gewohnt war. Im Sinne dieser Auffassung hat er der Akademie ihre Arbeitsorganisation in dem Forschungsinstitut für die Wissenschaft des Judentums geschaffen,, den Arbeitsplan dieses Instituts entworfen und während der zwei Jahre, in denen er es geleitet hat, seiner Entwicklung die Direktive gegeben. Die fachmäßigen Vertreter der jüdischen Wissenschaft, die sich dem jungen Unternehmen zunächst nur zögernd anschlössen, haben sich nach kurzer Zeit zu ihm hingefunden und gehören jetzt in großer Zahl seiner wissenschaftlichen Leitung am Diese neue wissenschaftliche Organisation ist so aus dem neuen Lebensimpuls herausgewachsen, der das Judentum wieder zu

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