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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 478

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Ein Judenstaatsplan aus den Jahren 1832 - 1845
Date
1923-01-01
Page
478 (sequence 4)
Language
German
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478 Umschau: Geschichte Geldjude Hirsch am Beginn der praktischen Schritte — die Unterhaltungen Behrends und Herzls mit ihren Gegenspielern weisen überraschend ähnliche Merkmale auf: gemeinsam ist ihnen jene Tragik, die gerade heute wieder unsere zionistische Politik zu gefährden scheint: mit den im Grunde Ab; gelehnten paktieren zu müssen, und die Rache für diese Tragik, die sich dann — nach deren Weigerung —■ im Ressentiment des „die Wahrheit Sagens" kräftig äußert. Auch die Hybris des eigenen Planes, die Unterschätzung der Schwierigkeiten, die Neigung zu Vergleichen mit den biblischen und späteren „Vorgängern", die Naivität des historischen Beweises für das eigene Werk ■— beim religiös-konservativen Behrend weniger überraschend als bei Herzl — lehren, da sie für beide Männer gelten, daß sie auch bei Herzl nicht allein biographisch, wozu gerade die „Tagebücher" leicht verführen, sondern zum guten Teil als fast notwendige Objektivitäten derartiger Pläne zu verstehen sind. Darüber hinaus aber zeigt sich auch, daß die sachlichen Argumente (für die Lösung der Judenfrage durch Auswanderung) nicht Herzls individuelles Eigentum sind, obwohl er sie für sich neu entdeckte, sondern daß auch sie sich notwendig aus Situation und Aufgabe ergeben mußten. Die Hoffnung auf Linderung des Antisemitismus auch für die Zurückbleibenden, durch Verringerung der jüdischen Massen sowohl wie durch den politischen Rückhalt am jüdischen Zentrum, die Furcht vor der Bodenspekulation im neu zu kolonisierenden Lande und die Vorsorge dagegen, die Rechnung mit den Massen der Kleinaktionäre, die von den Tiefen des Volkes her das bei den Großen verworfene Werk doch noch gelingen lassen werden — alles das findet sich auch bei Behrend. Was sich nicht bei ihm findet, ist leichter übersehbar und weniger notwendig für unsere Erkenntnis: weil Behrend eben nicht sein Leben hingab, sondern nach einigen mißglückten Versuchen den Plan anscheinend fallen ließ, wird die Auseinandersetzung mit ihm nicht zu einer so unerbittlichen und manchmal erbitterten Notwendigkeit für uns wie die mit Herzl. Es war nicht die Zeit zu hören, und er war nicht der Mann zu rufen — so bleibt er, bei allem Anziehenden der Parallelität, lediglich eine interessante, aber keine schicksalsvolle Figur in der Geschichte der jüdischen Befreiung. Wir lassen nun die Texte in wortgetreuer Gestalt, unter Beibehaltung der orthographischen und Interpunktionsfehler, folgen. Selbst scheinbare Druckfehler in den Briefen des Behrend sind stehen geblieben, weil auch solche — wie ein Vergleich mit den anderen, weniger korrumpierten, Schriftstücken lehrt ■—• möglicherweise auf die nicht ganz sichere Beherrschung der deutschen Sprache durch den Briefschreiber zurückgehen können und deshalb nicht ohne ein ihn charakterisierendes Interesse sind. Von den Anmerkungen gehen nur die besonders kenntlich gemachten auf Behrend selbst zurück; die anderen sind von uns zur Erläuterung hinzugefügt. E. S. Aktenstücke und Aufforderung, I. Rodenberg, im Monat Dezember 1832. An Se. Wohlgebor, den Herrn Baron M. A. von Rothschild in Frankfurt a. M. In jedem Zeitalter hat es Männer in Israel gegeben, welche für das allgemeine Wohl ihrer leidenden Glaubensbrüder tätig waren; die Geschichte bezeugt dieses in ihren ersten Spuren (namentlich von dem größten und thätigsten in dieser Art von unserm Lehrer Moses) bis heutigen Tages. In den zuletzt verflossenen Zeiten leuchtet besonders hervor einMenasse ben Israel1), ein Mendelssohn, Jakobsohn usw., und welchen wohltätigen Einfluß, das Wirken solcher Männer auf die Linderung des auf uns lastenden Joches gehabt hat, ist weltkundig — und jetzt sollte Israel verwaist sein?! Seit meiner frühesten Jugend war meine Phantasie mit diesem Gegenstand beschäftigt; aber auch mein 20 jähriges Bestehen als selbständiger Mann hat meinen Eifer für die Sache nicht geschwächt, im Gegenteil, hat mein Nachdenken, bei der fortdauernden ungerechten und in manchen Ländern höchst unmenschlichen, Bedrückung unserer Glaubensbrüder so wie bei den merkwürdigen Zeichen der jetzigen Zeit, eine feste Richtung genommen, und das Resultat meines x) Was haben wir nicht schon wieder seit 13 Jahren erlebt. Damaskus, die Vertreibung der Juden in Polen. Wir haben aber auch wieder einen Moses Montefiore gehabt. (Antn. des Schreibers zu seinem bei Drucklegung bereits 13 Jahre zurückliegenden Briefe.)

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