Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Zwei Übersetzungen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 452 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Gerhard Scholem: GERHARD SCHOLEM / ZWEI ÜBERSETZUNGEN (Aus dem Hebräischen) JUDA HALEVI: KEROBA ZU SABBATH CHASON Wie ward die Krone der Schönheit entstellt vor aller Augen Unterging ihre Sonne da es noch Tag war und die Zier ihrer Augen ward fortgerafft Sie schalt ihr Herr und gab sie hin in Gefangenschaft Kein König mehr und keine Kraft. Feinde verfolgen sie und erregen wider sie Haß In Schlamm versanken ihre Füße ihr Lager Trübsal war Da blieb die gelobte Stadt wie eine Wüste bar Ohne Opfer und ohne Altar. Die Mächtigen unter Liedern sie zu vernichten ziehn Die Zeiten schwinden über ihr ihre Leiden schwinden nicht hin Löwen zerreißen sie und offen ihr Leid erschien Seit das Ephod fehlt und die Teraphim. Erbarmt sich wohl der Einzige ihr einen Rest zu bescheren? Ist sie doch in Wochen kommen und hat keine Kraft zu gebären In Liebe allmächtiger Herrscher wolle ihr Schutz gewähren Sie schützen und retten beschirmen und mehren. Wer gab in alle Enden der Welt Jakob hin zur Fron? Verlassen ist es wie ein Schiff auf hohem Meere steuerlos. Wir klagen im Exile bedeckten Hauptes mit Trauerton An den Strömen von Babylon. An Babylons Strömen sind unsere Augen vor Tränen vergangen Wir denken Dein Jerusalem und nach Samaria hat unser Herz Verlangen Wir heißen die Jubel schweigen und unsere Harfen hangen an den Weiden Wir sitzen dort und weinen. Wir rufen zur Klage auf bis wir der Strauße Schreie übertönen Weil Gottes Heiligtum verbrannte wächst an unser Stöhnen Unser Unglück ist groß und will uns fast zerbrechen