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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 429

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Das Judentum im deutschen Denken
Date
1923-01-01
Page
429 (sequence 1)
Language
German
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Robert Arnold Fritzsche: Hermann Cohen 429 DAS JUDENTUM IM DEUTSCHEN DENKEN1* ROBERT ARNOLD FRITZSCHE / HERMANN COHEN Hermann Cohen hat von Anfang an als Deutscher empfunden, wie er sich als Juden gefühlt hat. Um diese beiden ursprünglich-natürlichen Bestandteile seines Gemüts in Verbindung zu halten, dazu hätte er vermittelnder Begriffe nicht notwendig bedurft. Trotzdem begleitet ihn lebenslang das Nachdenken über jenes Wechsel Verhältnis. Das kam daher, daß er überhaupt nur denkend fühlen konnte, daß sein Verstand auch bei den naiven Regungen der Seele immer gegenwärtig war, und daß umgekehrt auch bei den scheinbar unpersönlichsten logischen Verrichtungen sein Seelengrund durchschimmert. Was im Gefühl ungeschieden daliegt, das sondert der Verstand. Er strebt nach einer neuen Einigung im Tageslicht. Je länger er in der Sonderung auszuharren vermag, um so verheißender sind die Entdeckerfahrten der Philosophie. An solcher Kraft des Ausharrens hat es Cohen wahrhaftig nicht gefehlt, aber man spürt doch an jedem Punkte der Wegstrecke eine Sehnsucht, die Ursprung und Ziel der Bewegung in einem umfaßt. Sehnsucht war das Band, das Cohens Judentum mit seinem deutschen Wesen verknüpft hat. Die Propheten des alten Israel erschließen ihm den Sinn der ewigen Aufgabe. Er erläutert ihn sich und uns an Piaton und Kant. Jüdische Religion und deutsches Denken fallen nicht zusammen; sie beeinflussen sich herüber und hinüber, sie entfalten sich in unendlicher Näherung. Wir blicken rückwärts, um Cohens geschichtliche Erscheinung von Mendelssohn aus zu begreifen. Als Moses Mendelssohn sich heimisch machte in der deutschen Aufklärung und Anknüpfung suchte für seinen Väterglauben, da fand er den systematischen Anhalt bei Leibniz und in der auf Leibniz gegründeten Schulphilosophie Christian Wolffs; Locke und Shaftesbury boten ihm den Hintergrund einer weitherzigen weltförmigeren Menschlichkeit; und wenn er Ausschau hielt nach der Antike, so kam ihm die Gestalt des Sokrates entgegen, der Sokrates des achtzehnten Jahrhunderts, dem Epiktet und Marc Aurel als gleichgesinnte Jünger Gefolgschaft leisten. Sein Judentum aber, durch keine Offenbarung gehemmt, verstand und verständigte sich mühelos mit der „natürlichen Religion" des Zeitalters. Eine Schwierigkeit blieb zurück: sie lag nicht in letzten Gründen der Vernunft oder des Glaubens, sondern auf dem Felde der Geschichte und der "TD^G^ßener Gelehrte und Freund Cohens eröffnet mit diesem[Bg^ jgjj von Aufsätzen verschiedener Verfasser. In zwangloser und .nlc^^™Ä und unter Verzicht auf systematische Vollständigkeit soll der im Obertitel gekennzec ^eis von Fragen abgeschritten werden.

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