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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 396

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Der Zionismus und die Erziehungsarbeit
Date
1923-01-01
Page
396 (sequence 1)
Language
German
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396 Josef Lurje: JOSEF LURJE / DER ZIONISMUS UND DIE ERZIEHUNGSARBEIT Die Kulturarbeit war stets eine heftig umstrittene Frage in der zionistischen Organisation, Auf den Kongressen kämpfte man für die Kultur, man hielt schöne Reden über ihre Bedeutung für den Zionismus und endete mit platonischen Resolutionen zu ihren Gunsten, ohne etwas Positives für sie in Palästina oder in der Diaspora getan zu haben. Die Choveve- Zion waren die einzigen, die durch die Gründung und den Unterhalt hebräischer Schulen in Palästina den Kern der hebräischen Erziehung geschaffen haben. Ihre Kräfte reichten aber nicht aus, und die meisten Schulen Palästinas blieben in den Händen verschiedener Organisationen, die unserem Geiste und unseren nationalen Bestrebungen fremd waren. Dieses Verhalten der zionistischen Organisation hielt die Entwicklung der hebräischen Sprache auf, hemmte das Eindringen jüdisch-nationalen Geistes in die weiten Schichten des Volkes und schwächte dadurch die Abwehr gegen die immer fortschreitende geistige Verelendung und Verarmung des jüdischen Volkes. Ein durchgreifender Umschwung ist hier erst während des Sprachenkampfes 1913/14 eingetreten. Die zionistische Organisation wurde gegen ihren Willen in diesen Kampf hineingezogen und eröffnete in seinem Verlauf ihre ersten hebräischen Schulen. Der Weltkrieg erweiterte ihre Tätigkeit: sie übernahm die Unterstützung aller Schulen, die in ihrer Existenz bedroht waren, ob sie nun von den Choveve-Zion, der Agudath-Israel oder den Kolonien gegründet worden waren. Nach der britischen Besetzung übernahm sie auch die Schulen des HilfsVereins der deutschen Juden", der seine Arbeit in Palästina aufgeben mußte, und eröffnete gleichzeitig neue Kindergärten, Schulen und Thalmud-Thorah- Unterrichtsanstalten, je nach Bedarf, in den Städten und Kolonien. So entstand in Palästina ein großes Schulwerk unter der Leitung der zionistischen Organisation. Sie hatte auf dem Gebiete der Erziehung in Palästina die Vorherrschaft, sorgte auch, durch Gründung von Abendkursen, für die Erziehung der Erwachsenen, und förderte die Verbreitung der hebräischen Sprache. Diese Schaffensfreude blieb aber nicht lange ungetrübt. Die Hoffnungen auf die materiellen Mittel, die für die großen Arbeiten notwendig waren, versagten, und bald stöhnte die zionistische Organisation unter der großen Last der Aufgaben, die sie sich selbst aufgebürdet hatte. Sie mußte Entlastung suchen, um aufatmen zu können. Die amerikanischen Zionisten, die die meisten Mittel für die Organisation beisteuerten und die unserer nationalen Kultur zum Teil fernstanden, murrten gegen die ihnen allzu groß erscheinende Ausdehnung der Erziehungsarbeit in Palästina, die sie als eine interne, die zionistische Organisation als solche nicht berührende Angelegenheit der palästinensischen Judenheit empfanden. Aus dieser Stimmung ging die „Revisionskommission"

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