Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Vertretung
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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386 Martin Buber: Jude, wir, wir tragen die Schuld, — denn wir haben die Macht zum Werk> die Macht durch das Opfer nicht aufgebracht. Und jetzt? Wir beginnen uns zu rüsten. Aus diesem Beginnen ist die Frage entstanden, die diesen Kongreß beschäftigen wird: die der Erweiterung unserer Grundlage. Es ist die Frage nach der Jewish Agency. Praktisch schließt sie zwei Fragen ein. Die erste ist: Wie setzt man die Agency — deren Begriff wird nun anders gefaßt als es der Wortlaut des Mandatsentwurfs tut, der unter Voraussetzungen, an denen sich nichts geändert hat, die Agency mit der zionistischen Organisation identifiziert — so zusammen, daß sie auf die Haltung Englands einen stetig wirksamen Einfluß ausübt? Die zweite: Wie setzt man sie so zusammen, daß sie auf die Finanzierung des palästinensischen Aufbaus einen stetig wirksamen Einfluß ausübt? Die zweite Frage ergänzt die erste: England hätte unsere Existenz in seinen jüngsten Verhandlungen mit den Arabern gewiß ernstlicher berücksichtigt, wenn es uns geglückt wäre, eine weltwirtschaftlich belangvolle jüdische Position in Palästina zu errichten. Um beide Fragen wieder zusammenzufassen: es handelt sich darum, eine Anzahl politisch und wirtschaftlich einflußreicher Personen, die der zionistischen Organisation nicht angehören, der Sache des Aufbaus zu verpflichten- Dies gedenkt man dadurch zu erreichen, daß man sie an dessen Leitung und somit an der Verantwortung für ihn beteiligt. Um die Bedeutung dieser Frage zu erkennen, muß ihre Erörterung der Sphäre der Opportunitäten enthoben werden. Damit will ich aber beileibe nicht sagen, daß sie in die Sphäre der formalen „Prinzipien" gehoben werden solle. Ich gestehe weder den „demokratischen Grundsätzen" noch der „zionistischen Tradition" die Befugnis zu, unsere Entscheidung bestimmen zu wollen, wo es um die Zukunft des Aufbaus geht. Also nicht in die Sphäre der formalen Prinzipien ist die Erörterung zu heben; aber in die der lebenden Idee. Die lebende Idee steht nicht, wie die Prinzipien der geschichtlichen Wirklichkeit in abstrakter Fremdheit gegenüber; sie ist tief in die Wirklichkeit bezogen, so daß sie immerneu aus dieser gelöst, daß sie in immer neuer Weise, weil immer neuer Wirklichkeit zugehörig, ausgesprochen werden muß. So betrachtet, wächst die Frage, die wir erörtern, zu der nach der Vertretung des jüdischen Volkes, insofern es sich in seiner Diaspora zu einem Werk, dem Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina, zusammengeschlossen hat. Vertretung nach außen, den Staats-, Kirchen- und Volksmächten gegenüber, die unmittelbar oder mittelbar dieses Werk zu fördern oder zu behindern imstande sind; autoritative Vertretung aber auch nach innen, geltungskräftig für alle, die durch ihren freien Entschluß in die Gemeinsamkeit des Aufbauens eingetreten sind. Dies aber gehört zum Größten, was wir an geschichtlicher Wirklichkeit zu fassen vermögen. Denn erst mit ihrer Vertretbarkeit steht eine sich geschlossen fortpflanzende Menschenvielheit in der Geschichte. Diese Tatsache ist durch historiosophische Theorien wie die von der „Masse" und hinwieder die vom „Helden" verdunkelt worden. Scharen werden geschichtlich, indem sie vertrauen