Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Anzeige staatswissenschaftlicher Schriften
Date
1923-01-01
Page
384 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101189-3101196-3108214--6183-3108286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

3^4 Umschau: Politik Die gewaltigen Aufgaben, die ein Völkerbund als regulierender Faktor der internationalen Politik in Zukunft anzufassen hätte — freilich nur einer, der sich Lord Robert Cecils Mahnung auf der letzten Volkerbundversämmlung: „Kühnheit, Kühnheit, Kühnheit" zu Herzen nähme — werden deutlich, wenn man durch ein Buch von Elias Hurwicz *) an das wirre und drohende Durcheinander der politischen Möglichkeiten des nahen und fernen Orients erinnert wird. Hoffnungen und Bedenken, die im Anschluß an die bolschewistische Orientpolitik aus verschiedenen zionistischen Lagern gegenüber den Richtlinien der zionistischen Gegenwartspolitik geäußert werden, scheinen doch zu wenig zwischen gelegentlichen Absichten und dauernd wirksamen Kräften zu unterscheiden, und zu leicht eine feste Einheit zwischen tief gespaltenen Tendenzen anzunehmen. Auch das Buch von Hurwicz gibt manchen wichtigen Hinweis dafür, daß insbesondere die Solidarität zwischen dem nationalen Freiheitsstreben der Örientvölker und dem bolschewistischen Kampf um Befreiung vom Kapitalismus keineswegs naturnotwendig ist, vielmehr häufig und schnell genug vor grundlegenden Gegensätzen verschwindet. IV. Wer das jüdische Volk in irgend einer Weise zu den Entwicklungen der Orientpolitik in Beziehung setzt, wird mit einer Steigerung seiner politischen Kraft rechnen müssen. Es fragt sich, ob bei den geringen Leistungen, die die Juden für ihre Politik bisher vollbringen, Überlegungen, wie sie eben angedeutet wurden, überhaupt einen Sinn haben. Kein Zweifel ist, daß noch immer mehr die Steigerung als die Betätigung der Kräfte die entscheidende Aufgabe des Zionismus ist. Ratzenhofer, der in seinem Werke über Die Orientpolitik der dritten Internationale, Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin. „Wesen und Zweck der Politik" eine genaue Mechanik des politischen Vorganges gegeben hat, warnt dringend vor dem Fehler, die Aktion für eine politische Idee vor ausreichender Vorbereitung, insbesondere durch sorgfältige Propaganda, zu beginnen. Die politische Praxis kann sich nicht immer nach goldenen Lebensregeln richten, Und der Zionismus steht heute bereits am Anfang seiner Aktion, und zugleich, wie wir gestehen müssen, im Grunde noch immer am Anfang seiner Propaganda. Diese Situation müßte die Bedeutung der Propaganda nur um so stärker klar machen. Aber gerade auf diesem Gebiete müssen wir wissen, wie wenig wir mit den herkömmlichen politischen Methoden anfangen können. Das Buch von Edgar Stein- Ruhardt „Die Propaganda als politisches Instrument"1), das eine interessante Zusammenstellung imperialistischer und kriegsmässigef Propagandaleistungen enthält, zeigt, wie himmelweit entfernt die Propaganda für das jüdische Volk von der Propaganda bleiben muß, die andere Völker für sich getrieben haben. Eine Auffassung, die mit Bedauern verzeichnet, daß man „aus dem Mord von Sarajewo nicht genügend gemacht" habe, die das Sprichwort „teil a lie and stick to it" als „psychologisch höchst richtig formulierte Maxime der Propaganda" aufstellt, ist für die jüdische Politik in jedem Sinne unbrauchbar — auch wenn sie beklagt, daß die Macht des Gedankens im Kampfe der Waffen nicht genügend gewürdigt worden sei. Aus dieser Atmosphäre, die auch den Geist zu einer infektiösen Waffe vergiftet, können wir nichts lernen. Das Ziel unserer Propaganda ist, wie Achad Haam uns gelehrt hat, die „Belebung der Herzen". So schwer die Aufgabe ist — wir wollen froh sein, daß sie dem Begriffe der Propaganda einen reinen und vielleicht wegweisenden Sinn gibt. Moritz Bileski x) Verlag Trowitzsch u. Sohn, Berlin. Druckfehlerberichtigung. In dem Aufsatz von Walter Preuss über „Die Ergebnisse der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft" (Heft 4) muß es richtig heißen: S. 243, 1. Spalte, Zeile 9 von unten, statt „vor Jahren", „vor 2 Jahren"; S. 245, 1. Spalte, Zeile 4 von oben, statt „ideologisch nicht" „nur ideologisch"; S. 245, 2. Spalte, Zeile 20 von oben statt „Begehung" „Bejahung"; S. 246, 1. Spalte, Zeile 6\von unten statt „Chewrath" „Chewrah"; S. 246, 2. Spalte, Zeile 2 von oben statt „haklali" „chaklai"; S. 246, 2. Spalte, Zeile 8 von unten statt „Bingen" „Binjan". Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Ernst Simon, Frankfurt am Main Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julius Beltz in Langensalza

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.