Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Problem einer jüdischen Musik
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 320 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Umschau: Musik Jahrhundert, und in der Erfüllung äußerer Lebensbedingungen die Hinfälligkeit aller Religion sehen. Dann wäre das Judentum mit dem Aufbau des jüdischen Palästina „erlöst" und der ganze Messianismus wäre als eine große Farce der Weltgeschichte entlarvt. Aber dazu wird es nicht kommen. Dafür zeugt die religiöse Phase des Zionismus, die auf die rein zivilisatorische gefolgt ist. Man täusche sich nicht darüber: die Pathologie und Anomalie des Judentums besteht nicht in seinem Unvermögen zur Form, sondern nur in der Erstickung seiner schöpferischen Kräfte in Pragmatik und Intellektualität. Nicht der immanente „Mangel" an Form ist seine Pathologie, sondern der Überschuß an ach so „gesunder" Intellektualität. Denn sie ist dem Judentum in der Diaspora aufgepfropft. An seiner „Gesundheit" leidet es — unbewußt und bewußt. So glaube, ich durchaus nicht, daß das Judentum die spezifisch musikalische Substanz umschichten wird zu plastischer Substanz. Musik war bei den antiken Hebräern die religiöse Kunst — die erste „musica sacra", sagte ein*1 Kenner wie Ambros — und sie wird es auch wieder sein. Vergessen wir nicht, daß der Prophetismus, die eigenste Tat des antiken Judentums, geboren ist aus dem Geiste der Musik. (Nachweis erbringt mein Buch.) Musik ist eben letzten Endes nicht etwas, das notwendig in Plastik überwunden werden muß, sondern ist die eine große metaphysische Urtatsache des . gotterneuenden Lebens. Heinrich Berl Fehlerberichtigung In dem Umschau-Beitrag von L. Hands (nicht S. Hands) in Heft 3 muß es richtig heißen: S. 182, 1. Spalte, Zeile 11 von oben: „westlichen" statt „östlichen"; S. 182, i. Spalte, Zeile 4 von unten: „nicht durchsetzbar" statt „keiner Erweiterung mehr fähig"; S. 183, 1. Spalte, Zeile 1 von unten, und S. 185, 1. Spalte, Zeile 34 von oben und Z. 44 von oben: „Geisteskrankheit" und „irrsinnig" statt „Krankheit" und „krank". Kür die Redaktion verantwortlich: Dr. Ernst Simon, Frankfurt am Main Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julius Beltz in Langensalza