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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdische Literatur in schwedischer Sprache [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
307 (sequence 4)
Language
German
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Umschau: Literatur 307 noch eine besondere Aufgabe in der Kulturentwicklung des neuen jissub von Palästina zu erfüllen hat, so spricht auch Arno Nadel nicht genügend von der neuhebräischen Musik und schweigt ganz von der doch so wichtigen „Gesellschaft zur Verbreitung jüdischer Musik" in Petrograd. Er hätte seinen Artikel überhaupt besser „Die Geschichte der religiösen Musik" genannt. Und schließlich vergißt Karl Schwarz die Kunstschule „Bezalel" in Jerusalem zu erwähnen. — Im letzten Aufsatz behandelt Max Brod die Geschichte des Zionismus von den Chobebe Zijjon1) bis zum Hehäluz2), vom politischen Zionismus bis zu Ahad Haam und Buber. Das Bedeutsame dieser Arbeit liegt darin, daß der Zionist Max Brod die Geschichte des Zionismus wiedergibt, ohne sich ihrer zu Propagandazwecken zu bedienen. Wäre dies einzigartige Buch in einer allgemeinverständlichen Sprache erschienen, dann hätte es einen doppelten Nutzen gebracht: unseren Brüdern hätte es einen richtigen Begriff vom Judentum gegeben und der Welt eine richtige Vorstellung von den Juden. Nun haben die 10 000 Juden in Skandinavien und Finnland, die das Buch lesen können, ein einzigartiges Werk, das sie — in diesem einen Punkte — geistig in eine bessere Situation bringt, als sie sogar in den größten jüdischen Zentren besteht IL „Neuhebräische Lyrik." „Die Gesellschaft für jüdische Literatur" wurde vor 3 Jahren in Stockholm gegründet und setzte sich das Ziel, durch die Herausgabe von Büchern und Sammelwerken der jüdischen Wissenschaft den Juden der nördlichen Länder die Möglichkeit zu geben, ihr Volk und ihr eigenes Wesen kennen zu lernen. Die Gesellschaft ließ unlängst ihre beiden ersten Veröffentlichungen erscheinen. Der erste und wesentlichere Band ist betitelt: »Die neuhebräische Lyrik"3) und redigiert vom Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis und von Dr. Ragner Josephsohn, dem jüdischschwedischen Dichter, Dozenten für Kunstgeschichte an der Universität Upsala. Mit Bedacht wählten die Redakteure die Perlen jüdischer jjrtk gus den letzten 50 Jahren aus (von x) Zions Freunde. ) Verband der Palästinapioniere. ) Nejlebreisk Lyrik (1870—1920); uroal och tolkningar av M. Ehrenpreis och Ragner Josephsohn, Stockholm P. A. Norstedt & soners förlag (XV und 19^ Seiten). J. L. Gordon, K. Schapira, M. Dolutzki, D. Frischmann, Ch. N. Bialik, Sch. Tschernichowski, J.Kahan, J. Steinberg, J.Katzenellensohn, D. Schimonowitz, Schneiur, J. L. Peretz, M. Rosenfeld und D. Einhorn), so daß die 50 verschiedenen Gedichte hier wie eins aus dem anderen folgend erscheinen. Die Übersetzung ins Schwedische ist musterhaft, besonders durch das Verdienst des Dichters R. Josephsohn, der in Schweden durch seine eigenen lyrischen Gedichte bekannt ist. Von jedem Dichter bringt die Sammelschrift ein Bild mit der Biographie und einer kurzen, aber erschöpfenden Charakteristik seiner Eigenart. Sehr interessant ist das allgemeine Vorwort zu diesem Sammelwerk, dessen Verfasser, Dr. Ehrenpreis, hier eine Fortsetzung seiner „Allgemeinen Übersicht über die hebräische Literatur" — aus dem Sammelbuch „Die Juden" — bietet und auf ganz kleinem Umfang Geschichte, Wesen und Entwicklung der neuhebräischen Poesie darstellt, anfangend bei M. Ch. Luzatto und endigend bei Bialik, Tschernichowski und Schneiur. In bemerkenswerter Weise erfaßt er die Stellung der hebräischen Dichtung im Bau der Weltliteratur: „Diese Lyrik nimmt einen besonderen Platz in der Weltpoesie unserer Zeit ein, weil in ihr sich das Alte mit dem Neuen wunderbar verbindet, Sie ist das geistige Kind unserer Zeit, doch zugleich auch die lebendige Fortsetzung einer unserer ältesten geistigen Schöpfungen, weil sie mit dem Geist der Propheten und Psalmisten verbunden ist. In ihr vereinigen sich die Feuerflamme und das biblische Pathos des alten Ostens mit der Zartheit und Tiefe des neuen Europa...... Der Weg dieser Lyrik geht vom Allgemeinen zum Individuellen, vom Himmel zur Erde, vom denkenden Gehirn zur zarten Empfindung der Seele. Beide vereinigen sich in ihr in synthetischer Weise: der Kollektivismus, die Religiosität und Gedankenhaftigkeit streben zur Vereinigung mit Individualismus, Profanismus unä Seelenhaftigkeit So ringt sich in dieser Lyrik die jüdische Seele durch, obwohl die Poesie auf Gegensätzlichem sich aufbaut, das im ersten Augenblick unvereinbar erscheint: Volkstum und Wesenhaftigkeit, Religiosität und Profanismus, Gedankliches und Seeliches, Revolutionäres und Verehrung des Alten." Da die hebräische Lyrik des Mittelalters nicht über den Pijjut1) hinausgelangt ist, beginnt die - ) *) Synagogales Gedicht 20*

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