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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 305

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdische Literatur in schwedischer Sprache [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
305 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Literatur _i 305 Das prüfende Auge kann fast nur Negatives entdecken. Die Thora hat von jeher keine Gastfreundschaft in Skandinavien gefunden und ist schließlich auch von denen vergessen worden, die sie von draußen her mitgebracht haben. Der eine Teil der skandinavischen Juden ist völlig materialisiert und kennt nichts als das Geschäft; der andere — die Intelligenz — tummelt sich auf fremdem Boden. Dort hat sie gesät und geerntet, und ihr Wirken war erfolgreich. Sie hat sich auf dem Gebiete der skandinavischen Literatur und Kunst hervorgetan, hat die Wissenschaft bereichert, beides in großzügiger Weise. Aber nach der Krone des Judentums hat sie nicht gestrebt. Doch vielleicht liegt die Schuld nicht bei diesen Assimilierten selbst. Die junge Generation hat ja nichts mehr gehabt, das sie fesseln konnte, hat nichts mehr erfahren von dem, was in unserer Geisteswelt vorging. So steht sie unserem Kulturgut fremd gegenüber, leidet nicht mit den Leiden des jüdischen Volkes und hofft nicht mit seinen Hoffnungen. Die Balfourdeklaration und der Beschluß von San-Remo vermochten die kühlen Herzen der Entfremdetennicht zu erheben, die Pogromleiden sie nicht niederzudrücken. Es versteht sich von selbst, daß bei diesem Stand der Dinge sich irgend eine Literatur nicht entwickeln konnte. Und in der Tat haben unsere Brüder hierzulande schon lange kein lebendig geschriebenes Buch gesehen, das sie hätte aufrichten und ihnen einen richtigen Begriff vom Judentum geben können. Dieser Mangel ist jetzt behoben worden durch das Buch: „Die Juden'« x), das unter der Redaktion der Herren Dr. Ehren- Preis, des Oberrabbiners von Stockholm, und Dr. Jensen erschienen ist. Der Band dient einer besonderen Aufgabe: der allmählichen Regeneration der skandinavischen Judenheit, die ihrer ganzen Mentalität nach, unvorhergesehenen Ereignissen weniger zugänglich ist als einer ^etigen und zielbewußten Eriehungsarbeit. Der Band kann zugleich als „Enzyklopädie für die Wissenschaft des Judentums" dienen sowie als ausgezeichnetes und besonders wertvolles Jugendlehrouch, das alles enthält, was der Jude, der sich nicht wissenschaftlich mit dem Juden- *) Nationernas Bibliotek, III. Redaktion: M. Ehrenpreis och A. Jensen. Judarna. Stockholm. P. A. Norstedt & söners förlag. 2920. (VIII u. 288 Seiten.) Heft ">. tum befaßt, von seinem Volkstum wissen muß. Die sieben Hauptteile umfassen folgende Gebiete: Jüdische Geschichte (Dubnow) , Geographie von Palästina (Trietsch), Die Sprachen der Juden (H. Löwe), Das jüdische Kulturleben (Simon Bernfeld), Die Mystik und der Chassidismus (Buber), Die jüdische Literatur (Ehrenpreis),' Die jüdische Kunst, Zionismus usw. usw. Außer den Artikeln bringt das Buch 2 Abbildungen: Kopien von den besten Schöpfungen unserer Künstler, Photographien unserer Schriftsteller und Gelehrten sowie Noten und zwei Karten. Auf einzelnes soll näher eingegangen werden. Das Interesse auf jüdisch - schwedischer Seite für das Judentum, das in der letzten Zeit doch etwas lebhafter geworden ist, hat auch einen einheimischen Gelehrten veranlaßt, sich an diesem Werk zu beteiligen: Dr. Hugo Valentin gibt uns in diesem Buche einen ausgezeichneten Überblick über das Leben der schwedischen Juden und eine Darstellung ihrer Kämpfe in den letzten 50 Jahren um das Bürgerrecht. Die Zeit der vollständigen Gleichstellung behandelt der Verfasser nur kurz, weil mit ihr die Kraft der schwedischen Juden zu erlahmen begann. Bemerkenswert ist, daß Valentin von seinen jüdischen Landsleuten alles ferngehalten wissen will, was sie zur voll? ständigen Assimilation führen muß. Nicht f alle Aufsätze sind gleichwertig. Neben den ausgezeichneten, und vor allem: unpolitischen Ausführungen von Trietsch über die Geographie Palästinas, die — außer etwa in dem Kinderlesebuch von G r a - s o w s k y — überhaupt keine Vorläufer haben, neben Bubers bewährter Meisterschaft, findet sich auch ein etwas oberflächlicher, allzu kurzer und unwissenschaftlicher Aufsatz von Dr. Max Grünwald über „Das Volksleben der Juden." < Der größte, inhaltsreichste Artikel stammt von Simon Bernfeld und ist „Unser Kulturleben" überschrieben. Hier will der Verfasser zum ersten Male eine Schilderung der jüdischen Gesamtheit geben. Doch befriedigt er uns nur zur Hälfte, vor allem wegen seiner mangelnden Aktualität. Die Ereignisse des Weltkrieges sind leider nicht berücksichtigt — der Aufsatz ist schon während des Krieges entstanden — was zu allerlei Unstimmigkeiten führt. Unter anderem übergeht der Verfasser die jüdischen Gemeinden in Elsaß-Lothringen mit vollkommenem Schweigen, obwohl ihr Wert nicht geringer ist als der jener Ge- 20

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