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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 297

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Eine neue Phase zionistischer Erkenntnis [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
297 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen: Der ewige Flagellant 297 Buch sichtbare Gestalt an: „Nicht von den Diktatoren der Friedenskonferenz, noch von uns allein, wird das arabische Problem gelöst werden, sondern ausschließlich durch ein Übereinkommen beider Völker, des jüdischen und arabischen". Diese Stelle darf als Signal einer kommenden Wandlung von Bedeutung betrachtet werden: nur als ein Signal, weil der Gedanke auch Hans Kohn in allen seinen Konsequenzen nicht erkennbar, nur für einen Teil des jüdischen Problems, die Araberfrage angewendet wird; er setzt wohl dem Zionismus die Aufgabe, „das ganze jüdische Volk und alle seine Zustände zu umfassen", er stellt wohl fest: „Die Gegenwartsarbeit (in der Galuth) ist ein integraler, unvertilgbarer Bestandteil der Regenerationsarbeit'aber dem Ausblick in dieses Gelobte Land folgt keine Besitznahme, nicht die Anwendung der großen Ideen im Sinne dieses Einheitsbekenntnisses. Wir danken so Hans Kohn zumindest die' erste Fixierung der Begriffe: Konsensprinzip, Maximalprogramm, universalistische Unterordnung; durchgeführt erscheinen sie jedoch nur für den Neubau der alten Heimat. Wo aber ist die Forderung nach Maximalprogramm und Rechtsgutsrevision hier und heute? Nach der Festlegung derjenigen Rechtsgutkomplexe, der sozialen, politischen, gesellschaftlichen Aspirationen unserer individualistischen Epoche, die der Renaissanceidee zuwiderlaufen, sie verhindern, verzögern oder schwieriger machen und daher fallen müssen? Wo ist die Andeutung des Mäximalprogramms als Voraussetzung jüdischer Wiedergeburt auch für die Galuth? Wo bleibt die Frage nach den Wirkungen nach außen hin, die in Europa ein Neuaufleben jüdischen Volkstums mit sich bringen muß, ja unbewußt schon mit sich gebracht hat, insbesondere in der Richtung des jüdischen Desinteressements an bedeutsamen Vorgängen in der Umwelt? Wo bleibt die politische Kehrseite dieses autarken, in der Linie historischer Entwicklung liegenden, aus eigenster Notwendigkeit geborenen, jeder Liebedienerei fernen Prozesses, der gleichwohl Folgen zeitigen wird, die als hochbedeutsame Konzessionen uns den Vorrang vor der Assimilation gewinnen, und somit das Maximalprogramm auch im ersten Augenblick keineswegs so „unpraktisch" erscheinen lassen, wie es Hans Kohn etwas zu schüchtern meint. Wo bleibt schließlich das Konsensprinzip in seiner Anwendung auf die Galuth? Nicht den fragwürdigen „Palliativmitteln" des Minoritätenschutzes und „auch nicht uns allein, sondern nur dem Übereinkommen der beiden Völker", kann es gelingen, die Judenfrage zu lösen; scheinbar und vorübergehend hat es ja schon, einmal — zur Blütezeit der Assimilation — m der Einigung auf das Assimilationsprinzip bestanden und ist wieder verloren gegangen. Drückt die Allgewalt des Milieus, der Hetzruf der Straße — (die wir fürchten, weil wir die anderen stets vernachlässigten; wann versuchten wir jemals, zu denen um uns zu sprechen?) — so sehr auf den Geist der Besten, daß sie sich zur Unstichhältigkeit „historischer Rechte" nur für Palästina durchringen können, und es nur für dort heißen soll: ,}Ohne den Glauben kann man nie den Mut haben, auf Vorteile der Gegenwart im Namen der Gerechtigkeit zu verzichten"? Immerhin: Hans Kohn hat einen ersten tiefen Blick getan: schon werden die grandiosen .Umrisse . des jüdischen Problems in seiner gewaltigen Geschlossenheit sichtbar, dessen Einheit man heute ahnt, ohne sie zu kennen. Oskar Karbach DER EWIGE FLAGELLANT Vaterländisch, völkisch heißen Bücher, Gesinnungen, Reden bei den Nationalen des Erdenrundes dann, wenn sie alles Edle, Große und Schöne im eigenen Guthaben zu finden wissen, wenn sie im Wettrennen um die Meisterschaft der Prestige-Bilanzkunst ihr Prob chen bestehen. Nur eine Menschenspezies gibt es, die ihre Eigenliebe vorzugsweise im Aufwittern und Verkünden ihrer üblen und blamablen Seiten bewährt. Alles vergnügte Grinsen ringsumher beirrt sie nicht, und bis zur Bewunderung der anderen

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