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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1923-01-01
Page
282 (sequence 2)
Language
German
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282 S amu el Rappaport: Ordnungen getroffen haben. So Abraham1), Izchak 2), Jakob3), Josef*), Moses5), Josua 6). Als König Chiskijahu schwer erkrankte, da kam der Prophet Jesajahu und sprach zu ihm: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben7)." Die Bedeutung, die man schon im jüdischen Altertum der Sitte, vor dem Sterben eine letztwillige Verfügung zu treffen, beigemessen hat, geht aus folgender, im Talmud und Midrasch in verschiedener Form wiederholten Legende hervor: In alter Zeit pflegten die Menschen, wenn die Zahl ihrer Lebenstage zu Ende war, plötzlich zu sterben, ohne vorhergegangene Krankheit, die das Herannahen des Todes hätte anzeigen können. Jakob bat nun Gott um die Gnade, daß der Mensch vor seinem Scheiden von dieser Welt für zwei oder drei Tage krank werde, damit er, durch die eingetretene Krankheit auf seinen Zustand aufmerksam gemacht, Zeit habe, seine Kinder um sich zu versammeln, sein Haus zu bestellen und für den Fall des Todes alle seine letzten Verfügungen zu treffen. Darauf habe Gott dem Jakob erwidert: „Dein Verlangen ist gut und mit dir wird seine Erfüllung beginnen." Als nun Jakob vor seinem Tode erkrankte, ließ er seine Nachkommen um sein Lager sich versammeln, um ihnen seinen letzten Segen zu. erteilen und ihnen seinen letzten Willen hinsichtlich seiner Überführung und Bestattung kund zu tun8). Aus der Spätzeit des zweiten Tempels sind uns, unter den sogenannten Pseudoepigraphen des Alten Testamentes, die angeblichen Testamente der zwölf Söhne Jakobs, in griechischer Sprache, allerdings mit mehreren von christlicher Hand später interpolierten Stellen, erhalten geblieben. Nach Art ihres Vaters Jakob versammelt jeder der zwölf vor seinem Tode seine Kinder um sich, um ihnen von seinem Leben zu erzählen und ihnen Segen und Lehren fürs Leben zu erteilen. Diese Testamente sind augenscheinlich eine griechische Übersetzung aus einem hebräischen Urtexte, der jedoch verloren gegangen ist. Ein mutmaßlicher hebräischer Urtext von NaftaÜs Sohne Jakobs angeblichem Testament ist in jüngerer Zeit, nach einer Pariser Handschrift von Mendel Segel9), und ein zweiter von Gaster herausgegeben worden10). In talmudischer Zeit hat man, mit Rücksicht auf die ganz hervorragende soziale und sittliche Bedeutung der letztwilligen Verfügung, auf ihre Ab- J) Genesis 18, 19, 25, 5—6. 2) Ebenda 27, 1—5, 28, 1—4. 3) Ebenda 47, 29—31, 48, 1—22, 49, 29-32, S°» 16. 4) Ebenda 50, 24—26. 6)Deuteronomium 31, o_i8. 6) Josua 23 und 24. Besonders bemerkenswert ist die letztwillige Verfügung Dajids an Salomo» Könige I 2, 2—9. 7) Könige II, 20, 1. 8) Genesis 48 u. 49. Babyl. Talmud .,Baba Meziah" 87 a. „Sanhedrion" 107 b. Midrasch B'reschit Rabbah, Abschn. 65. Pirke' de Rabbi Elieser, Abschn. 52. •) Lemberg 1882, 10) London 1894. Siehe auch Kautzsch: „Die Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments", Band II, S. 458—505.

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