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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 481

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Kinderpredigten
Date
1916-10-01
Page
481 (sequence 3)
Language
German
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Kinderpredigten 43i aber, ihr heiligen Kinder, die ihr erst das Licht der Welt erblickt, ein langes Leben, den langen Weg voller Gefahren noch vor euch habet, ihr müßt mit eueren Gebeten das meiste dazu beitragen, daß euch der Wächter Israels bewahre und beschütze. Vergießet Tränen, betet für euch, damit euch ein friedliches Leben beschieden sei, betet für euere Eltern, daß ihnen das Glück gewährt werde, euch in Gottesfurcht und zur Thora zu erziehen, betet aber auch für das gesamte Israel, daß uns dieses Jahr Hilfe und Erlösung bringe. III. Am i. Tage des Rosch haschanah. Ihr heiligen Kinder! Ihr lieben Jünglinge! Ein Gleichnis will ich euch erzählen, auf daß ihr wißt, inbrünstig sollet ihr, ihr besonders, am heutigen Tage beten. Die Mühsal des täglichen Lebens ist euch erspart. Euere Eltern tragen sie für euch und nehmen euch jede Sorge ab. Heute aber, da wir vor Gott hintreten, um von ihm Gnade für uns und für euch zu erflehen, dürft ihr nicht schweigend beiseite stehen. Ein Kind fiel in eine schwere Krankheit. Der geängstigte Vater ließ einen Arzt um den anderen holen, doch keiner brachte Heilung. Da erfuhr der Vater, daß in einer fernen Stadt ein berühmter Heilkünstler lebe. Er raffte seine Habe zusammen, um auch ihn an das Krankenlager seines Kindes kommen zu lassen. Der Heilkünstler kam, sah sich den Kranken und all die Arzeneien, die man ihm verabreicht hatte, an und sprach: „Hier ist menschliche Hilfe vergebens, nur der Arzt aller Ärzte kann den Sterbenden retten. Betet für ihn". Da versammelte der Vater alle Verwandten und Freunde, und als sie um das Lager des Kindes standen und unter Tränen die Psalmen Davids beteten, neigte er sich über das Kind und sprach: „Mein Sohn, Vaterspflicht ist es, alles was er hat, für sein Kind herzugeben, um es zu retten. Ich habe weder an Gold noch an Silber gespart, habe alles für dich hergegeben, und ich wollte, ich könnte noch mehr für dich opfern. Alle Opfer, alle Ärzte, alle Heilmittel sind jedoch machtlos. Gebete und Tränen sind das einzige Mittel; sie vermögen das göttliche Erbarmen für dich herabzuflehen. Deine Gebete, deine Tränen aber sind Gott lieber und wohlgefälliger als die Gebete aus unserem Munde, als die Tränen, die wir anderen um dich vergießen. Flehe, mein Kind, heiß zu Gott!" Ja, ihr heiligen Kinder, die Tränen eurer Augen, die noch keine Sünde gesehen und nach keiner gelüstet haben, und die Gebete eurer unschuldsvollen Lippen vermögen bei Gott mehr als unsere. Betet daher für euch und für uns. Betet aber auch für die Gesamtheit Israels, betet um die Wiedererrichtung Zions und Jerusalems, auf daß dieses Jahr ein Jahr des Heils werde, daß Juda wieder auferstehe und Judas Söhne in ihr Land zurückkehren.

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