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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 457

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Blau-weiß
Date
1916-10-01
Page
457 (sequence 7)
Language
German
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Max Brod: Unsere Literaten und die Gemeinschaft 457 Aber der Zionismus — oder doch die ihm zugrunde liegende Tendenz — war nicht nur Vorbedingung, er selbst hat sich fortentwickelt, mindestens von einer neuen Seite offenbart — und solche Offenbarung ist Entwicklung —, als von ihm berührte Kreise das Wandern der jüdischen Jugend als eigenes Ziel aufnahmen. Als Zionisten den Blauweiß gründeten, mußten sie sich bewußt werden, daß hier ein neues Arbeitsgebiet lag, grundsätzlich von der bisherigen, rein politischen Arbeit des Zionismus geschieden. Ist doch politische ebensogut wie religiöse Beeinflussung in einem Jugendbund, und besonders in einem Wanderbund, ausgeschlossen und wäre es auch, wenn der junge Bund das nicht ausdrücklich in seine Satzungen aufgenommen hätte. Wenn es trotzdem Zionisten waren, die die bewußte jüdische Jugendwanderbewegung schufen, so lag darin eben der Wille, an der Gesundung und Regeneration des gesamten jüdischen Volkes mitzuarbeiten. Noch heute wird ja leider in nichtzionistischen Kreisen mit allen Mitteln der Gedanke vertreten, gerade das gesonderte Wandern der Juden sei, so lange es gehe, zu vermeiden, bewußt wird an der Fiktion festgehalten, der Wandervogel sei nicht antisemitisch, und die Juden sollten in den einzelnen Wandervogelgruppen ihre „Rechte" wahrnehmen. Da war es doppelt wertvoll, daß Zionisten hier ihre Aufgabe weiter faßten und sich an die gesamtjüdische Jugend wandten, auf die Gefahr hin, daß von denen, die das Judentum nur parteimäßig anzusehen vermögen, auch dieses Werk als enge Parteipolitik aufgefaßt würde. Denn es gilt, die ganze jüdische Jugend, unabhängig von irgendeiner Parteizugehörigkeit, zu einem offenen, gesunden, seines Eigenwertes bewußten, jeder Verstellung und jeder Duckmäuserei abgewandten Stil des Lebens zu erziehen: das aber ist nur in jüdischen Jugendbünden möglich. Und ist im besonderen die Aufgabe eines Wanderbundes. Crossen a. O. Moses Calvary UNSERE LITERATEN UND DIE GEMEINSCHAFT I. Exemplarisches sei hier angeführt. Die prinzipielle Frage jüdischer Nationalliteratur bleibt vorläufig beseite. Ob es einen besonderen jüdischen Geist gibt, der diese Nationalliteratur konstituiert, oder ob es nur die hebräische Sprache ist, die diesen Titel verleihen kann (Achad Haams Ansicht) oder ob Zugehörigkeit des Autors zum jüdischen Volk oder Zugehörigkeit des Themas zum jüdischen Milieu entscheiden — das will ich diesmal nicht behandeln. Nur die Rangordnung, in der ich diese Fragen anführe, möge andeuten, wie viel und wie wenig Wesenheit ich ihren Antworten zuzumessen geneigt bin. Im übrigen möchte ich heute ganz konkret bleiben. — Beginnen wir mit den Exempeln. 2. In Kurt Hillers Entwicklung heben sich deutlich zwei Stufen voneinander ab. Zunächst baute er seinen „Aktivismus" auf der Grundlage einer vollständigen Skepsis auf. Etwa so: Begründen läßt sich nichts oder, was dasselbe ist, alles, — laßt uns also wollen, etwas Beliebiges, einerlei was, wollen, laßt uns nur um jeden Heft 7. 32

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