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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 451

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Zur Reform des ostjüdischen Handwerks
Date
1916-10-01
Page
451 (sequence 13)
Language
German
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Moses Calvary: Blau-Weiß 451 Interessengegensatz zwiefacher Art im Spiele: zwischen Mitteleuropa und dem Osten, und innerhalb des östlichen Wirtschaftsgebietes selbst zwischen Judentum und Polentum. Auf den Charakter des erstgenannten Gegensatzes sind wir bereits eingegangen. Was aber den letzteren betrifft, so genügt es wohl, darauf hinzuweisen, daß das Präludium zur künftigen Symphonie der polnischen Freiheit, die Wahlen zur neuen Warschauer Stadtverwaltung, ganz im Zeichen der Bestrebungen zur „Nationalisierung des polnischen Wirtschaftslebens*4 stand. Weit entfernt davon, die Gegensätze auszugleichen und zu versöhnen, wird sie die kommende Freiheit vielmehr zur schärfsten Ausprägung bringen. Wenn dieser Krieg zu Ende sein wird, wird für uns der Kampf erst beginnen. Es gilt also, sich zu rüsten, um zur gegebenen Stunde nach allen Seiten hin stark dazustehen. Berlin Leo Rosenberg BLAU-WEISS Anmerkungen zum jüdischen Jugendwandern i. Der Jude, der zufällig an irgendeinen Ort Deutschlands verschlagen wird und das Bedürfnis hat, irgendwie als Jude tätig zu sein, aufzutreten, sich anzuschließen, findet dafür fast nur religiöse Formen: er kann in ein rituelles Speisehaus gehen, er kann den Gottesdienst besuchen, — außerhalb dieser Formen sind nennenswerte Ansätze jüdischen Daseins kaum vorhanden. Die Form des deutschen bewußten Judentums, heißt das, ist noch heute die Orthodoxie. Ausnahmen in einzelnen Städten, etwa das Siedlungsheim in Berlin, lebhaftere jüdische Tätigkeit in vereinzelten zionistischen Ortsgruppen, eine Loge mit v/irklich jüdischem Leben sind eben Ausnahmen. Ein stärkeres außerreligiöses jüdisches Leben begann in den jüdischen Jugendvereinen: Studentenverbindungen, Barkochba, Herzl-Klub. (Andere Jugendvereine zeigen es vielleicht wider Willen: bewußt betonen sie ja die religiöse Grundlage.) Hinzutritt seit kurzem die jüdische Wanderbewegung, vornehmlich im Blauweiß, Bund für jüdisches Jugendwandern. Schon ist die Blauweißnadel und das Schalom im Gebirge ein jüdisches Erkennungszeichen geworden. 2. Selbst die Formen der Orthodoxie, dessen werden wir uns jetzt bewußt, waren ja im wesentlichen gar keine Formen der jüdischen Gemeinschaft mehr, sondern zum großen Teil Formen für den Einzelnen, Ausdruck des persönlichen, noch so abgeschwächten, religiösen Erlebnisses. Allein im Gottesdienst waren wirkliche Gemeinschaftswerte entwickelt und daneben noch der Familienzusammhang von religiöser Weihe getragen und gesteigert. Die übrigen Formen wurden zu Gemeinschaftsbindungen erst mittelbar, dadurch, daß die Einzelnen, die jenen Formen hingegeben waren, sich aneinander schlössen. Das war ja der herrschende Zustand des Judentums:

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