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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 425

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Zion, der Staat und die Menschheit
Date
1916-10-01
Page
425 (sequence 1)
Language
German
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ZION, DER STAAT UND DIE MENSCHHEIT Bemerkungen zu Hermann Cohens „Antwort" i. Hermann Cohen veröffentlicht in den K. C.-Blättern eine „Antwort auf das offene Schreiben des Herrn Dr. Martin Buber an Hermann Cohen". Antwort nennt er seinen Aufsatz; aber es ist keine Antwort, sondern ein Anmirvorbeireden. Da spricht jemand, der nicht meine Worte — die er fast nirgends zu widerlegen versucht — sondern die leicht umzustürzende erdachte Schlagwort-Argumentation eines erdachten Zionistentypus vernimmt Cohen hatte dem Zionismus „schier unbegreifliche Unwahrhaftigkeit", „Zynismus", „Frivolität" vorgeworfen. Darauf hatte ich dargelegt, daß seine Vorwürfe aller Grundlage entbehrten, und ich hatte ihn aufgefordert, sein Material namhaft zu machen — wenn er es vermag. Man sollte annehmen dürfen, daß ein Mann, der es als seine Aufgabe auf Erden erachtet, Kants kategorischen Imperativ mit dem Gerechtigkeitsideal der jüdischen Propheten zu verknüpfen, die unzutreffenden Beschuldigungen, die er nicht durch einen Beweis vertreten kann, nunmehr mit dem Bekennerfreimut des sittlich verpflichteten Menschen, der geirrt hat, vor aller Öffentlichkeit zurücknähme und so das Unrecht gutzumachen suchte, daß er durch seine unfundierte Rede zugefügt hat; daß er nicht bloß einsähe, sondern auch erklärte, daß es die Tatsachen, auf die er sich zu stützen glaubte, nicht gibt; und daß er die von ihm ausgesprochene Beleidigung mit der Rückhaltlosigkeit, die dem Beleidiger in diesem Moment geziemt, bedauerte. Es erweist sich, daß Cohen nichts von alledem getan hat. Mit keinem Wort erwähnt er meine Darlegung, mit keinem Wort geht er auf meine Aufforderung ein. In einem Eckchen der „Antwort" finde ich den beiläufigen Satz: „Beide Parteien glühen für unseren religiösen Fortbestand. Das will ich gern anerkennen." Das ist alles. Aber auch dieses in seinem Ton dem Sachverhalt völlig unangemessene Sätzchen ist überschwemmt von neuen Vorwürfen der „Frivolität", der „Absurdität" und der „Un¬ Wahrhaftigkeit". 2. Cohen redet nicht nur an mir vorbei, er liest auch an mir vorbei. Es hieß etwa in meinem Brief: „Wir wollen Palästina nicht ,für die Juden': wir wollen es für die Menschheit, denn wir wollen es für die Verwirklichung des Judentums". Cohen führt den Satz an und fährt wörtlich fort: „Also ist die Verwirklichung des Judentums doch nur durch die Menschheit bedingt!" Davon steht bei mir nichts und kein Also kann es aus meinen Worten folgern, sondern sie besagen für jeden, der sie unbefangen liest: Damit das Judentum verwirklicht werde, d. h. damit es seinen Dienst an der Menschheit wahrhaft vollziehen könne, muß es seine Kraft in Palästina einsammeln und fruchtbar machen. Die Menschheit braucht das Juden- Heft 7. 30

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