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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Das palästinensische Handwerk
Date
1921-01-01
Page
256 (sequence 9)
Language
German
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256 Umschau: Bildende Kunst einen verzweifelten Kampf um ihr Fortkommen zu führen haben und für die sich nach Durchführung der erwähnten Reformen in Palästina ein Tätigkeitsgebiet eröffnen würde, wie sie es heute irgendwo anders kaum finden könnten. Somit ist die palästinensische Handwerkerfrage zugleich eine Frage der nationalen Arbeit und ihre Lösung daher von jüdischer Seite mit doppeltem Eifer zu erstreben. Arjeh Tartakower BILDENDE KUNST Haggada x) Allzu nahe liegt die Gefahr, daß eine vorwiegend nationalistische oder jedenfalls vorwiegend ethisch-volklich gerichtete Einstellung der Kunst gegenüber zur Trübung des ästhetischen Urteils führt. Zum mindesten in jedem Falle, wo Kunst inhaltlich mit nationalistischen oder religiösen Dingen in engstem Zusammenhange steht. Merkwürdig, wie leicht selbst jene, die mit ihrem Urteil über die Verkitschung deutscher Heldenepen oder des Weltkrieges durch treudeutsch gesonnene Künstler schnell genug bei der Hand sind, diese Skepsis bei der Beurteilung ihnen inhaltlich nahestehender Darstellungen jüdischer Kunst vergessen. Sogenannte jüdische Kunstabende in kleinerem Kreise, bei denen billiger Assoziationen wegen dem plattesten Dilettantismus Tür und Tor geöffnet wird, sind warnendes Beispiel. Natürlich wäre es snobistisch, gewisse Stimmungselemente ausschließen zu wollen — und nicht einmal wünschenswert. Doch haben sie mit rein künstlerischen Fragen nichts zu tun. Deswegen soll die Freude an derartigen Dingen niemand genommen werden. Aber aus solchen Überlegungen heraus gilt es, schon aus Mißtrauen gegen sich selbst, zunächst stets eine leichte Befangenheit zu überwinden, wenn man sich betont jüdischen Künstlern gegenübersieht, besonders wenn das einzelne Werk noch gar jüdischen Elementen inhaltlich verknüpft ist. Welche Spannkraft des Erlebnisses ist erforderlich, um für den Inhalt der Haggada einen neuen bildlichen Niederschlag zu finden, um der Summe aller damit verknüpften Assoziationen, Kindheitserinnerungen und Bildreminiszenzen einen gleich intensiven optischen Gegenwert bieten zu können! *) Mit Illustrationen von Jacob Steinhardt»; Verlag Ferd. Ostertag, Berlin. \ Steinhardt versucht in der neuen Ausgabe der Haggada des Verlags Ostertag die altbekannten Inhalte neu zu formulieren. Absichtlich sei betont, daß man „n e u", aber nicht „modern" sagen muß, denn eine Modernisierung ist naturgemäß weder erstrebenswert noch möglich. Was Modernisierung in der jüdischen Kunst bedeutet, kennen wir alle aus dem historischen Beispiel von E. M. Lilien, der Anregungen von Beardsley, Jacob Valloton und Orlik verwendet, um eine „jüdische** Schwarzweißkunst zu schaffen. Diese Bibelillustrationen muten uns heute, schon nach 15 bis 20 Jahren, unerträglich unecht an, als Kostümierung von Inhalten, die nun einmal die Patina der Jahrtausende angenommen haben und deren bestimmte strenge Form nicht bildlich variiert werden kann. Wird man in abermals zwanzig Jahren die Illustrationen Steinhardts zur Haggada, deren formale Anregungen aus der zeitgenössischen Graphik und Malerei ja evident sind, ebenso beurteilen? Ist das, was uns diese Illustrationen so schnell nahe bringt, sie sofort lesbar macht, nur die Sprache in uns geläufigen visuellen Vokabeln? Ich wage die Frage nicht zu entscheiden. Aber ich glaube, daß hier doch eine Stärke des Erlebnisses und eine Intensität der Darstellung sprechen, die mehr bedeuten, als eine äußerliche Anpassung an Strömungen moderner Kunst. Die Anklänge an van Gogh, Meidner, zum Teil auch an Schwarzweißblätter Schmidt- Rottluffs machen, ebenso wie die historische Rückversicherung durch Anknüpfung an mittelalterliche deutsche Holzschnitte, die er ja mit den Arbeiten jener Graphiker teilt, sicher nicht den entscheidenden Wert der Illustrationen aus. Zu stark ist die Gebärde, zu lebendig spricht das einzeln geformte Antlitz, vor allen Dingen zu ungermanisch ist gerade diese Art der Primitivität. Eine Primitivität, die sich erfreulicherweise von dem gerade in der neueren jüdischen Kunst so beliebten, anspruchsvollen, mystisch-pathetischen Romantizismus vollkommen freihält. Gegenüber dem Theaterdonner der meisten Illustrationen religiöser Schriften kann die Zurückhaltung und Anspruchslosigkeit dieser Bildfolge nur dankbar anerkannt werden. Gestalten und Landschaften stehen in einem Raum von festlicher Unbeschwertheit, der ganz aus dem Sinn der österlichen Erzählung empfunden ist. Paul Zucker Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Ernst Simon, Frankfurt am Main Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julius Beltz in Langensalza

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