Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ergebnisse der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft in Tel Awiw
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 248 (sequence 6)
- Language
- German
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248 Umschau: Kolonisation selbst bauend mitzuwirken, selbst Verantwortung zu tragen am Bau des Landes, nicht entziehen, aus dem einfachen Grunde, weil ohne Aufbau keine Existenz für die Arbeiterschaft da ist. Es wurden zwar keine Beschlüsse in der Frage der Beziehungen zu den arabischen Arbeitern gefaßt. Diese Frage ist in jeder Hinsicht kompliziert, und es ist erst an einer Stelle gemeinsamer 'Arbeit, zwischen den 500 jüdischen und den 3000 arabischen Eisenbahnarbeitern, ein Zusammenarbeiten gelungen. Auch in dieser Frage wird die Histadruth eine vorsichtige und verantwortliche Politik zu führen haben. Mit irgendwelchen Demonstrationen und unverantwortlichen Proklamationen zum Zweck irgendeiner Politik, die ein Proletariat, das leider nicht da ist, vereinen will, ist nicht das geringste getan. Die Konferenz zeigte, wie sehr die Histadruth bereits eine Macht und ein Ökonomischer Faktor ist; wie alle jüdischen Faktoren kann sich auch die Arbeiterschaft nur halten, wenn Alij ah und Aufbau besteht. Nicht, daß man glaubte, in Palästina allein die soziale Frage lösen zu können: aber in der Chewrath haowdim sucht die Histadruth, soweit als möglich, sozialistischen Besitz zu sichern, sucht in Eigenarbeit die jüdische Arbeit zu fördern, sucht Prinzipien sozialistischen Aufbaus durchzusetzen. Ein anderer Weg existiert nicht: und keine Gruppe hat auf der Konferenz einen anderen Weg zeigen können. Die Konferenz -bedeutet einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung der freien Arbeit in Palästina. Walter Preuß (Jerusalem) KOLONISATION Das palästinensische Handwerk Das palästinensische Handwerk hat bereits heute schwer um seine Existenz zu kämpfen, noch ehe es zu einer richtigen Entwicklung gelangt ist. Die Lage des palästinensischen Handwerkers ist fast dieselbe wie die seines europäischen Berufsgenossen. Und doch sind deren Ursachen in vielen Hinsichten ganz andere. Es gilt sie nur bloßzulegen, um sich über die Existenzberechtigung des Handwerkers in Palästina (wenigstens auf absehbare Zeit) und über die Reformen, die ihm die Existenzmöglichkeit sichern könnten, klar zu werden. Der heftige Meinungskampf, der noch vor wenigen Jahren in der volkswirtschaftlichen Literatur über die Existenzberechtigung des Handwerks tobte, ist nun — wahrscheinlich für immer — verstummt. Die eifrigsten Verfechter des Gedankens des Handwerks haben Schritt für Schritt zurückgehen, die Liste der Berufe, die sich dem sie erstickenden Vorwärtsschreiten des Großbetriebes zu entziehen vermögen, immer mehr reduzieren müssen, bis sie schließlich resigniert den Kampf aufgaben. Was heute an Reformen auf dem Gebiete des Handwerkswesens vorgeschlagen wird, hat (wenngleich man das nicht immer zugibt) mehr die Bedeutung von Übergangsmaßnahmenx bestimmt, den Todeskampf des Kleinbetriebes zu erleichtern und die Zahl der wirtschaftlichen Zusammenbrüche zu vermindern. Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo das eigentliche Handwerk verschwinden oder nur mehr als Reparaturgewerbe sein Dasein fristen wird. Daran wird auch die erhöhte Wertschätzung des Handwerks in den letzten Jahren nichts ändern können. Sie ist ja bloß eine Folge des riesig gesteigerten Bedarfs an gewerblichen Produkten nach den vielen Kriegsjahren, in denen die Produktion, mit Ausnahme der auf den Kriegsbedarf gerichteten, fast stillstand, und wird mit der fortschreitenden Rückkehr des Wirtschaftslebens in die normalen Bahnen verschwinden. Rekapitulieren wir kurz, um daran das Nachfolgende anknüpfen zu können, die Ursachen dieser Entwicklung. Es sind dies: z. Das rasche Vorwärtsschreiten des gewerblichen Großbetriebes, insbesondere des maschinellen Großbetriebes, der die Möglichkeit schafft, billiger und sehr oft auch besser zu produzieren. 2. Die Möglichkeit einer großen Auswahl von Produkten verschiedenster Art und Größe, die dem Kunden in einem Fabrtkladen geboten wird und die von einem Handwerker, selbst dem auf Vorrat arbeitenden, nie zu erreichen ist. ' 3. Die viel größere Anziehungskraft des meist schön eingerichteten, in der Hauptstraße liegenden Fabfikgeschäftes, im Gegensatz zu dem ärmlichen, meist unsauberen, in einem Hinterhof befindlichen Handwerkerladen. Gesellt sich noch hinzu die Unpünktlichkeit, mangelnde Verläßlichkeit und der Mangel jedweder irgendwie geordneten Buchhaltung (und dies geschieht in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle), so ist das Schicksal des Handwerkers besiegelt. Läßt man die letztgenannten Umstände, die ja auch nur schwer geändert werden können, außer Betracht, so sind alle anderen mit elementarer Kraft wirkende Tatsachen, gegen