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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 242

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Das Heilige
Date
1921-01-01
Page
242 (sequence 3)
Language
German
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242 Bemerkungen: Das Heilige Grund für die beliebte Diskreditierung der Attributenlehre sei. Man beruft sich heute in der Regel gegenüber der Leerheit der „Attribute" auf die „lebendige Fülle des Erlebnisses". Ottos Untersuchung zeigt, daß man, um das dem religiösen Leben Gegenständliche theoretisch zu erfassen, nicht von dem geraden, einlinigen Blick auf das religiöse Objekt hin abzuweichen braucht. Am Objekt selber werden die rationalen und die irrationalen Momente unterschieden. Das Irrationale am religiösen Objekt ist der, /Träger", die Substanz der rationalen Prädikate, der „A11 r ibute". Nicht in der Tiefe des Subjekts, sondern gerade in der Tiefe des Objekts liegt die Irrationalität, die die Religion meint. Wir bedürfen also nicht der romantischen „Religionsphilosophie". Hier ist der Anschluß an die Tradition der Bibel und unseres Kultus einerseits, an die Tradition unserer Theologie andererseits verbürgt. Die letzte lehrt uns die allgemeine Einstellung des jüdischen Theologen und bietet uns die Resultate von Analysen der rationalen „Attribute". — Die erste macht uns den vollkommensten Ausdruck, den das Substantielle des religiösen Objekts „in menschlicher Sprache" finden konnte, verfügbar. So ist es nicht zufällig, daß Otto die substantiellen Kategorien nicht zum wenigsten aus A. T. und jüdischer Liturgie erhebt (vgl. Jörn Kippur Gebete p. 37 f., Melek Eljon^ von Otto übertragen pp. 238ff.). Es muß indessen erwähntwerden, daß Otto bisweilen sehr lebhaft den Gegensatz zwischen Religion und Theologie betont und für die Religion gegen die Theologie Partei ergreift. Diese Betonung ist berechtigt, um den unter religiösem Gesichtspunkt sekundären Charakter der Theologie festzustellen. Im übrigen darf sie uns nicht binden, da Otto, wie vor allem seine Zitate beweisen, hier sehr stark von Lutherischen Tendenzen bestimmt ist, die für uns, als Juden, denen der eigentümlich protestantische Subjektivismus fern zu liegen hat, nicht bestimmend sein können. Es besteht immerhin die Möglichkeit, „Das Heilige" als ein „religionsphilosophisches" Werk anzusprechen. Was aber Ottos Analyse von der üblichen Art der Religionsphilosophie unterscheidet, ist dies, daß er sich unmittelbar dem religiösen Bewußtsein selber zuwendet, ohne eine naturalistische Erklärung oder auch transzendentale „Konstitution" dieses Bewußtseins zu unternehmen. Die hohe Bedeutung des Ottoschen Buches besteht darin, daß es die Einschränkung des rationalen Momentes in der Religion nicht primär und nicht ausschließlich durch die Berufung auf die Irrationalität des „Erlebnisses" anstrebt, sondern daß die Transzendenz des religiösen Gegenstandes der ganz selbstverständliche Ausgangspunkt der Untersuchung ist. Zu wie großer Skepsis man dem Gedanken der Attributenlehre gegenüber auch berechtigt ist — schon der Umstand allein vermag diesem Typus der Theologie unsere Sympathie zu verschaffen, daß mit seiner Aufgabestellung bereits der grundsätzliche Subjektivismus unmöglich gemacht ist. Man müßte eine Theologie als Attributen- ' lehre fordern, auch wenn sie schlechterdings unausführbar wäre, bloß um den Gedanken der Transzendenz Gottes von Anfang an als Leitgedanken haben zu müssen. Tieferes Verständnis des Sinnes, den „Transzendenz" im religiösen Zusammenhange hat, ist, wenn nicht die Absicht, so doch das Ergebnis der Untersuchung Ottos. Die Transzendenz gelangt zur Auszeichnung 1. als Erlebens - Jenseitigkeit Gottes, d. h. des Primates Gottes vor der Religion. Ist Gott ein an sich seiender, von seiner Erlebtheit durch Menschen unabhängiges Wesen, und wissen wir von diesem Wesen durch das in Thora und Prophetie Offenbarte, so ist die theoretische Herausstellung dieses Gewußten prinzipiell möglich, d. h. aber: Theologie. So sehr ist die Theologie Ausdruck schlichter, eindeutiger Frömmigkeit; 2. als L e b e n s - Jenseitigkeit Gottes. Sie wird erlebt im „Kreaturgefühl" des Menschen, im „eigenen Erde-, Asche- und Nichtsein", auch und gerade in dem des Volkes, wie sich aus Jesaja 6 ergibt. Sie ist identisch mit dem ganz „unnaturhaften" Charakter des „Zornes Gottes", nicht weniger* mit dem Charakter der „Heiligkeit" als „numinosen Wertes"; 3. als Ideen- Jenseitigkeit Gottes. Die letzte, unter 2. angeführte, Bestimmung könnte zur „Idealisierung" Gottes verführen. Dieser Gefahr wird durch den Hinweis auf den Charakter des „Energischen", auf die „Lebendigkeit" Gottes zunichte. Leo Strauß (Kirchhain).

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