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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Übersetzungen ins Hebräische
Date
1921-01-01
Page
181 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Presserundschau x8x will, sein Gesetz in sich selbst trägt; dieses zu belauschen, ihm "seinen Trieb zu erleichtern, ist des Künstlers Aufgabe, er kann wirklich nicht viel dazu tun. Beiläufig, das ist nichts, dessen der Künstler sich rühmte oder es sich anmaßte und sich damit drapierte; sondern er macht ganz einfach eine Erfahrung und lacht über den Skeptiker, der über ihn lacht. Und also, unter demselben gern erlittenen Zwang, der mich zwischen Akiba, seinem Weib und seinem Sohn ganz andere, als die ursprünglich gesichteten groben Fäden entdecken ließ, kam es denn auch, daß ich mein Stück weder schrieb, damit es sich ein jüdisches, noch irgend ein anderes Theater suche. Erst werin so etwas dann fertig ist, verlangt es danach, sich auf einer handgreiflicheren Bühne zu beweisen, als auf der ideellen unter dem Schädeldach; schon deshalb, weil Juden es nicht lesen, die doch Ibsens . Nora, Wedekinds Erdgeist und Bronnens Vatermord nicht zu kennen, sich höchlich schämen würde'n. (Aber eine Schar Chaluzim in Kanaan, am weitesten vorgeschoben gegen die östliche Landesgrenze, will es sich spielen; das freut micjh für sie, das freut mich für mich, mit einer größeren Freude, als ich sie je auf meinem Schriftstellerweg erlebt habe.) Die Angelegenheiten des Theaters erscheinen flagranter als die des Buches; sie sind es nicht. Dieser Tage erfuhr ich von befreundeter Seite, daß man die.-Übersetzung von Hauptmanns „Versunkener Glocke" ins Hebräische plane, die des »Ketzers von Soana" sei schon vorauf gegangen. Ich weiß mich unter denen, die Hauptmann verehren, in der vordersten Reihe; doch verehre ich nicht auch Ibsen? und kenne die Tiefe und Untiefe Wedekinds und habe sogar Bronnens Erstling schon, für bemerkenswert gehalten, bevor er gedruckt war. Aber ich habe auch Hebräisch gekonnt in jungen Jähren. Zwar heute habe ich es zu meinem Leidwesen vergessen, wie einige andere Provinzen des elastischeren Gehirns von früher; indessen, so viel ist mir noch davon geblieben, daß ich mich frage: Was will denn das Hebräische mit der „Versunkenen Glocke"? Hat es seine Kräfte und Instinkte so verloren, daß man ihm aufdringen darf, was man will? Kann es so „entwickelt", so — genügsam geworden s^in, daß es jede Literatur aufnehmen mag, wenn sie nur gut ist? Auch wenn sie schlecht Jst, muß ich beim Durchsehen der Verlagsankündigungen hinzufügen. Es gehörte der Wut eines sehr großen Zynikers dazu, alle Bedenken mi,t dem Einwurf niederzuschlagen, daß das Hebräische sich gar nicht genug im Guten und im Schlechten tummeln könne, wenn es seine Ausdrucksfähigkeit bis zu dem für ein modernes Voll$, eine moderne politische, eine moderne Wirtschaftslage nötigen Maß geschmeidigen wolle. Aber von einem solchen Zynismus darf zu allerletzt ein werdendes Volk Rat annehmen, auch den klügsten nicht. Die Sprache einer Nation ist ja nicht etwa ei^ partikuläres Volapük. Grenze von innen, als welche ausdrückt, ist auch Grenze nach außen, als welche ausschließt. Unter denen, die die Übersetzungen ins Hebräische besorgen, dürfte es nicht wenige geben, die, anders eingestellt, sehr Einsichtiges über das Problematische unserer westlichen Literatur zu sagen fähig wären; in Kummer darüber, daß die geistige Läge des vielberufenen Abendlandes zumindest schwierig, möglicherweise krank und vielleicht sogar auf den Tod krank ist. Die Talente sterben unter den Menschen nicht aus; aber das Mandat, unterdem sie schaffen, gerät ins Schwanken. So gibt es immer Kunstwerke — auch wenn es vielleicht keine Kunst mehr gibt oder wenn sie ihren Segen ins Leere, in den Abgrund schüttet. Solche Zeiten leiden schwer an sich selbst und durchschauen das Allzuvielfältige, Allzupersönliche, worin sie auseinanderstieben, als eine große Gefahr. Indessen haben sie ein Recht, sich ihrer Not hinzugeben und nicht auf künstliche Weise die immer dennoch versagte Einheit zu suchen. Soll aber und darf ein Anfangendes sich mit Gier in die Nöte des Spaten stürzen? Soll und darf eine Sprache, die ein Volk zusammenbinden will, auf ihr eigenes Hirn und Herz verzichten und; während sie sammeln will, zerstreuen? Denn etwas anderes als Zerstreuung ist die wahllose, die literarische Arbeit an der Literatur nicht. Leere Stunden nur scheinbar zu füllen, dieses ist das tragische Los unserer Kunst geworden; es wäre ein schwerer Irrtum, wenn das Hebräische sich dem aus Armut geborenen, Armut verhüllenden Reichtum glaubte anähneln zu müssen. Eine gewissenhafte, weit vorschauende geistige Ökonomie tut not. Ich möchte den Vorschlag wagendaß ein Kollegium von Hebräisten und . ^nstlern sich bilde, mit der Aufgabe, die ho ,'setzühg ins Hebräische von der Zufälligkeit und dem bloßen buchhändlerischen Bedarf zu schützen, mit dem Willen und der Kraft, zu wählen, zu raten v und aufzubauen. Moritz Heimann

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