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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 129

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Eine Vorrede
Date
1921-01-01
Page
129 (sequence 1)
Language
German
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MARTIN BUBER / EINE VORREDE1) Die Reden, die in diesem Band gesammelt sind — die sieben Reden über das Judentum2) und die Rede über Jugend und Religion8) — haben einen wesentlichen Gehalt gemeinsam, um dessentwillen sie, wenn ich selbst auch es erst allmählich erfuhr, gesprochen worden sind. Sie handeln im Grunde alle vom Judentum als einem Phänomen der religiösen Wirklichkeit, Um dies recht klarzumachen, sind sie hier vereinigt worden; denn mancher ungenaue, ja uneigentliche Ausdruck der frühen Reden klärt sich durch die späteren, meinem eignen Weg zur Klarheit gemäß. Da ich aber die entscheidende Klarheit erst erlangte, nachdem (kurze Zeit nachdem) die letzte dieser Reden gesprochen war, obliegt es mir, ihnen eine Erläuterung vorauszuschicken, geeignet, alles bisher durch das Ungenaue und Uneigentliche begünstigte Mißverstehen aufzulösen, soweit mein Wort dies vermag. Eine Erläuterung meine ich damit zu geben und nicht eine Berichtigung: da ich das, was mir widerfahren ist, nur als eine Klärung und nicht als eine Bekehrung bezeichnen darf. Eine Erläuterung aber auch und nicht eine Auslegung: denn zu der Klärung gehörte, daß sich mir eben meine Rede selber klärte und ich verstand, was ich zu sagen gehabt hatte und was meinem unzulänglichen Sagen sich doch als Zulänglichkeit eingetan hat. Die Reden handeln vom Judentum als einem Phänomen der religiösen Wirklichkeit. Das bedeutet, daß es eine religiöse Wirklichkeit gibt, die sich im Judentum und durch es kundgetan hat und um derentwillen, aus deren Kraft und in deren Sinn das Judentum besteht. Es ist also nicht zu fragen, was hier unter Judentum verstanden sei, Kultur oder Lehre, geschichtliches oder seelisches Wesen; denn diese und andere Teilbegriffe Drögen in ihm umfaßt sein; aber eben nur aus der religiösen Wirklichkeit, die sich in ihm kundtut, kann es bestimmt werden, und jede Definition, die nicht sie einbezöge, verfehlte das Gemeinte. Eins freilich ergibt sich daraus: daß unter Judentum nicht eine Abstraktion verstanden sein kann. t Ein Phänomen der religiösen Wirklichkeit — genügte es nicht zu sagen: ein religiöses Phänomen? Das wäre wieder ungenau. Denn mit „religiös" wird heutzutage wesentlich etwas bezeichnet, was sich in der „Innerlichkeit" begibt, sowie dessen Äußerungen, insofern sie eben auf die Innerlichkeit zurückwirken. Ich aber meine etwas, was sich zwischen dem Menschen *) Zur Gesamtausgabe der Reden über das Judentum, die demnächst bei Rütten & Loeaing in Frankfurt a. M. erscheint . _ A 2) Die ersten drei, von 1909—1911, veröffentlicht 1911 unter dem Titel „Drei Reden aber das Judentum"; die zweiten drei, von 1912—1914, veröffentlicht X915 in dem Buch »Vom Geist des Judentums"; die siebente, „Der heilige Weg", rom Mai 1918, veröfffenthcht 1918, a) Von 1918, unter dem Titel „Cheruth" veröffentlicht 19x9. Heft 3. 9

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